[H]AN[D]GEHALTEN! „Toleranz oder Akzeptanz?“

Handgehaten

 

In den letzten Monaten zweifelte ich oft an unserer Bevölkerung. Hass und Hetze vergifteten all das, was ich an unserer Gesellschaft so mochte. War es für uns nicht selbstverständlich, farbige Menschen in unseren Straßen zu sehen? War Cottbus nicht immer durch die Uni ein Pool an multikulturellem Leben? Sind Doppelbeschilderungen, um die sorbische Sprache weiter zu pflegen, nicht für uns normal? Ist es nicht selbstverständlich, dass zwei Männer oder zwei Frauen Hand in Hand die Straße entlanglaufen? Gehörte es nicht auch zu unseren Werten, jedem Schwachen zu helfen, egal ob Mensch oder Tier? Ich dachte immer: genau das macht unsere moderne Zivilisation aus, dass Religion, Sexualität und Herkunft völlig egal sind und man sich immer mit Toleranz begegnet, aber hier liegt wohl genau das Problem.

Toleranz ist die Duldung eines Zustandes, das war mir gar nicht so bewusst. Wenn ich also etwas dulde oder erdulde, ist dies nicht immer freiwillig. Man duldet etwas, weil die meisten in der Bevölkerung es tun oder weil man es aus dem Elternhaus gehört hat, dass es besser ist „Die“ machen zu lassen. Wenn dann einige Wenige sagen, dass sie es überhaupt nicht dulden, fällt es jemandem, der ähnlich denkt viel leichter etwas nicht mehr zu erdulden. Und schon hat Toleranz ihr Ende gefunden. Dumpfe Parolen und Geschichten wie aus der Vorkriegszeit haben bei vielen Ängste geschürt und ihnen das Dulden unmöglich gemacht. Nun war mir klar, was wir eigentlich erreichen müssen, dass Menschen einen Zustand akzeptieren und nicht nur tolerieren.

Akzeptanz ist nämlich im Gegensatz zur Toleranz freiwillig und drückt laut Wikipedia ein zustimmendes Werturteil aus. Dies heißt so viel, dass ich einen Zustand, einen Kontext oder einen Menschen so gut verstanden habe, dass ich ihn akzeptiere. Wenn mein bester Kumpel morgen ankommt und darüber berichtet, er liebe Männer, werde ich das anfangs wohl eher tolerieren. Doch wenn ich sehe mit welcher Liebe er zu seinem Partner steht und wie wichtig ihm das ist, so werde ich diese Liebe akzeptieren. Er bleibt ja schließlich mein Kumpel. Wenn ich Sachen zu einer Flüchtlingsfamilie bringe und sehe, dass die Frau meist nur bemüht ist, dem Mann zu dienen, so werde ich dies auch anfangs nur tolerieren. Besuche ich sie immer wieder und sehe mit welcher Liebe sich Mann und Frau begegnen und mit welcher Hingabe sich beide um ihre Kinder kümmern, so werde ich dies auf kurz oder lang akzeptieren. Akzeptanz hat nur ein Riesenproblem, sie braucht Zeit.

Wenn jeder mal in seiner Familie schaut, hat er ähnliche Probleme im Kleinen schon mehrfach erlebt. Da besucht man seine zukünftigen Schwiegereltern und diese lassen kein gutes Haar an einem, selbst zur Hochzeit wird die Beziehung nur geduldet. Aber kommen dann Kinder, wird aus der Toleranz meist ganz schnell Akzeptanz. Auch im Kleinen brauchen diese Dinge Zeit, können nicht auferlegt oder erzwungen werden. Wer sich also diese Zeit nimmt, sich auf die verschiedenen Dinge und Situationen einlässt, wird nicht mehr nur noch tolerieren, sondern akzeptieren und so auf Dauer die Werte unserer Gesellschaft festigen. Hetze und Falschmeldungen werden dann viel weniger Chancen haben, auf fruchtbaren Boden zu stoßen.

Um diese Akzeptanz irgendwann zu erreichen, möchten wir euch auf unserer Seite in den nächsten Wochen viele Beiträge zusammentragen, die zum besseren Verständnis beitragen. Interviews mit Vertretern unterschiedlicher Religionen, Videos mit Botschaftern der Schwulenbewegung machen und die Vergangenheit von Sorben und Wenden im Dritten Reich betrachten. Sogar die Gastarbeiter in der DDR-Vergangenheit werden wir, sofern wir genug Informationen haben, thematisieren.

Akzeptanz braucht halt Zeit und die nehmen wir uns.