Wahlkampfendspurt der AfD Brandenburg in Cottbus. Wir waren mit dabei:

HandgehatenAlexander Gauland und seine Parteikollegen haben in Cottbus vor allem eines gemacht: Ihre potentiellen Wähler auf dem Oberkirchplatz für dumm verkauft. Wie wir zu dieser Einschätzung kommen, erklären wir euch im Folgenden:
 
Gleich zu Anfang sorgte AfD-Kreisvorstand Steffen Kubitzki für einen entlarvenden Moment. Seine tatsächlich ernstgemeinte Aussage, wonach es in Cottbus doch gar keine Nazis gebe, wurde nur mit mäßigem Applaus aus dem schon zu diesem Zeitpunkt recht großen Publikum quittiert. Dass das allerhöchstens Wunschdenken ist, bestätigen zahllose Ereignisse der letzten Wochen und Monate – und schon allein die Existenz eines NPD-Kreisverbandes. Auch unsere Freunde von „Cottbus schaut hin“ halten beinahe täglich Anderes fest.
 
Auch Alexander Gauland ging gleich in die Vollen. Schon in den ersten Sätzen kam er auf die E-Mail der Spitzenkandidatin Weidel zu sprechen und sagte: „Da werden E-Mails erfunden…“. Eine offensichtliche Lüge. Weidel selbst spricht nicht einmal mehr von einer Fälschung. Dazu ein Zitat aus der FAZ:
 
„In einem aktuellen Schreiben an die „Welt am Sonntag“ gesteht ihr Anwalt grundsätzlich ein, dass Weidel und der E-Mail-Empfänger tatsächlich eine Korrespondenz geführt haben. Und der Fälschungsvorwurf wird über die konkrete Mail in dem vier Seiten langen Brief nicht mehr erhoben. Weidel verlangt darin weder eine Unterlassung noch einen Widerruf der Berichterstattung. Auch eine eigene eidesstattliche Versicherung, dass sie die Mail nicht verfasst habe, hat Weidel nach Angaben der Zeitung bislang nicht abgegeben. Sie will mit dem neuen Anwaltsschreiben demnach lediglich weitere Veröffentlichungen ihrer Korrespondenz unterbinden.“
 
Das spricht für sich.
 
Weiter im Text: Gauland sprach davon, dass die AfD die einzig demokratische Kraft sei. Das ist ohne Frage falsch. Andreas Kalbitz legte noch einen drauf und sagte, die AfD sei die „echte demokratische Opposition […], sonst gibt’s da nichts. Das ist Einheitsbrei, die sind sich da untereinander alle einig.“ Nun, dass Linke und Union sich untereinander einig sind, wäre mir neu. Oder die Vorstellungen von Union und Grünen bezüglich Klimapolitik und Braunkohle. Geschenkt, verbuchen wir das unter Wahlkampfgeschwätz.
 
Wo hat Gauland noch gelogen? An einer Stelle wiederholte Gauland das völlig sinnentfremdete Zitat von Martin Schulz („wertvoller als Gold“) und setzte es BEWUSST in einen falschen Kontext. Vermutlich in der Hoffnung, seine Wähler wüssten nicht, was Martin Schulz tatsächlich gesagt hat. Gauland ist nicht dumm. Ganz im Gegenteil, er hält seine Wähler offensichtlich für dumm.
 
Die vielleicht dickste Lüge des Abends lieferte Gauland gleich hinterher. Der AfD Spitzenkandidat legte dem Kanzleramtschef Peter Altmaier folgendes Zitat in den Mund: „Lieber wählt nicht, aber wählt nicht AfD.“ Dumm nur, das Altmaier das nie so gesagt hat. Der Tagesspiegel hat dazu einen guten Artikel verfasst. Bitte vor der Empörung ganz durchlesen: http://www.tagesspiegel.de/politik/debatte-ums-nicht-waehlen-peter-altmaier-voellig-richtig-oder-doppelt-daneben/20352602.html
 
Außerdem sagte Gauland, dass uns unser Land weggenommen wird, Parteien das Volk auflösen wollen und die „bezahlten Psychologen im Fernsehen“ uns sagen würden, wir müssten uns an den Terror gewöhnen. Beides ist selbstverständlich Unsinn und nebenbei bemerkt ganz klar auf einer Linie mit rechtsextremen Agitationen der NPD oder auch der Identitären Bewegung.
 
Auch der Tempelberg und das angebliche Kuschen christlicher Vertreter vor Muslimen wurde von Gauland thematisiert. Ja, Erstere haben ihre Kreuze abgenommen. Sie haben aber auch beim Besuch einer Moschee ihre Schuhe ausgezogen und an der Klagemauer ihre Köpfe bedeckt. Die Welt hat dazu einen interessanten Artikel veröffentlicht: https://www.welt.de/kultur/article159343863/Die-absurde-Wut-der-deutschen-Garderobenwaechter.html Auch hier erzählt Gauland wieder nur die halbe Wahrheit.
 
Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, soll aber einen Überblick darüber geben, was Gauland scheinbar von seinen Wählern hält.
 
Und was die Partei von ihren eigenen Kandidaten hält: Die Rede der Cottbuser Direktkandidatin Marianne Spring-Räumschüssel war sogar dem AfD-Wahlkampfbus zu viel, der vorzeitig das Gelände verließ. So wie auch ein großer Teil der Zuhörer.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *