Soll ich, oder lieber nicht?

HandgehatenDie rbb-Sendung „rbb vor Ort – Cottbus unerhört?!“ sorgt in der Stadt für Diskussionen. Sogar ein Boykott vieler zivilgesellschaftlicher Kräfte steht im Raum. Basiert am Ende alles auf einem Kommunikationsfehler?

Muss man Christoph Berndt von Zukunft Heimat und Marianne Spring-Räumschüssel von der AfD wirklich auf ein solches Podium holen? Diese Frage wird im Zusammenhang mit der Sendung am Donnerstag grad heiß diskutiert. Dass die AfD mit dabei sein sollte, ist dabei weit weniger strittig. Umfragen zu Folge hat die Partei in Cottbus ein Wählerpotenzial von rund 30 Prozent, so war es zumindest im März. Allerdings wird es, anders als es bisher transportiert wurde, nicht so sein, dass Frau Spring-Räumschüssel einen Platz auf dem Podium hat, teilt uns der rbb in Cottbus mit. Stattdessen werden folgende Personen ganz vorn stehen:

Holger Kelch (CDU), Oberbürgermeister der Stadt Cottbus

Martin Gorholt (SPD), Chef der Staatskanzlei in Brandenburg

Dierk Borstel, Rechtsextremismus-Experte der FH Dortmund

und eben jener Christoph Berndt, an dem sich die Geister scheiden. Der Kopf der fremdenfeindlichen Bewegung rund um den Verein Zukunft Heimat aus Golßen. Der Mann ist nicht einmal Cottbuser. Nicht wenige Menschen aus der Stadt haben in den letzten Monaten ihr Unverständnis darüber geäußert, dass diese Menschen aus Golßen herkommen und unsere Probleme lösen wollen. Muss man so einen dabei haben? Es gibt gute Argumente dafür, aber auch sehr gute dagegen.
Fakt ist: Wenn man die Frage stellen möchte, wie sich Cottbus seit März entwickelt hat, kann man Zukunft Heimat nur schwer ausblenden. Zwar zieht die Bewegung mittlerweile regelmäßig „nur“ noch rund 1000 Menschen an – das Potential ist aber wesentlich größer, das haben die Demonstrationen Anfang des Jahres 2018 gezeigt. Ganz zu schweigen von denen, die still zustimmen.

Der vielleicht wichtigere Teil wird sich aber im Publikum abspielen. Laut dem rbb sind viele Menschen des sogenannten Zivilgesellschaftlichen Lebens eingeladen worden, viele haben zugesagt. Darunter Menschen aus Bildung und Wissenschaft, vom Theater, aus dem Marketing und von der Polizei. Natürlich werden auch Geflüchtete zu Wort kommen. Daraus entsteht die Chance zu zeigen, dass sich in Cottbus etwas verändert hat. Dass die Stimmungs- und Angstmache bei uns nicht mehr verfängt, dass viele Menschen keinen Bock mehr auf Hass und Hetze haben. Dass sich die Horrorszenarien der Demotouristen rund um Christoph Berndt nicht bewahrheitet haben.

Wird die Sendung am Donnerstag hingegen tatsächlich von vielen Menschen und Vereinen boykottiert, stehen jene, die Flagge zeigen, ganz alleine da. Und ganz Deutschland kann es im Fernsehen sehen.

Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ober er an der Veranstaltung teilnehmen wird, oder nicht. Es sollte aber zumindest eine Überlegung wert sein.

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