Augenzeugenbericht aus dem Bahnhof – (2)

Unser nächster Bericht thematisiert wieder die Bombardierung des Bahnhofs, am 15.02.1945, der als zentraler Knotenpunkt der Stadt und Logistikzentrum zur Versorgung diente. Sehr eindrucksvoll ist das Foto vom Fußgängertunnel 1945 im Vergleich zum Foto des Tunnels von Heute. Hier der Bericht, der wie auch die letzten Berichte inklusive der Fotos, vom Stadtarchiv & Stadtmuseum zur Verfügung gestellt wurden:

„Als 16-Jähriger bin ich am 09.02.45 zum Reichsarbeitsdienst nach Sommerfeld eingezogen worden. […] Wir wurden dann nach Forst Eulo, westlich der Neiße verlegt. Am 14. Februar bekamen wir Fahrräder und fuhren bis zum Bahnhof Klinge. Dort stand ein Transportzug, in welchen wir verladen wurden. Nachts ging die Fahrt ab, wir sollten nach Oldenburg verlegt werden. Scheinbar war die Lok altersschwach und defekt, wir kamen in dieser Nacht nur bis Cottbus. Dort lagen wir genau im Bahnhof im ersten Gleis daneben fest. Gegen 12.00 Uhr mittags gab es Fliegeralarm. Als ich aus dem Waggon sah, da erblickte ich genau über uns am Himmel schon die Rauchzeichen der Markierungsbomben. Nun aber schleunigst raus und in den Luftschutzkeller im Bahnhof. Schon ging das Krachen der Flak-Geschütze und der Bombeneinschläge los.

Der Keller war proppenvoll mit Flüchtlingen, Frauen und Kindern und uns aus dem Transportzug. Mit einem Mal gab es einen fürchterlichen Rumms, der Keller hob und senkte sich, das Licht ging aus, Frauen und Kinder brüllten los. Gleich darauf noch einmal den selben Rumms und der Keller hob und senkte sich wieder. Noch einmal Geschrei. Ich dachte mir, die Kellerdecke hält noch und kommt, außer Kalkgeriesel, nicht runter. Alle beruhigten sich langsam wieder. Das Rummsen draußen hörte aber noch lange nicht auf. Als Leute von uns dann nach langer Zeit doch endlich die Kellertür öffneten, sahen wir, daß im Bahnhof ein Munitionszug stand, der getroffen worden war und in die Luft flog. Etwa 8 bis 10 Meter vor dem Kellereingang war ein riesiger Bombentrichter und diagonal über Eck vom Bahnhof hatte die nächste Bombe unseren Transportzug getroffen.

Nach dem Sammeln mußten wir aus einem Lazarettzug, der auch getroffen worden war, Verwundete bergen helfen und in die Kasernen von der Division Großdeutschland bringen. Als 16-Jähriger sah ich damals in Cottbus meine ersten Kriegstoten. Selber war ich noch einmal davongekommen.“

Quelle: Stadtmuseum & Stadtarchiv Cottbus.