Augenzeugenbericht aus Sandow

Unser heutiger Augenzeugenbericht schildert die Bombardierung in Sandow aus Sicht einer deutschen Familie auf der Flucht nach Westen vor der russischen Armee. Die Familie also, die sich in Sandow, an der Schule, sammelte um weiter nach Westen transportiert zu werden, sollte gerade so mit dem Leben davon kommen. Dazu haben wir Euch ein Bild von der Sandower Brücke, nach der Zerstörung im April 1945, hinzugefügt. Beides wurde uns freundlicherweise vom Stadtarchiv & Stadtmuseum zur Verfügung gestellt. Hier aber nun der Bericht:

„Im Ruhrgebiet 1943 ausgebombt, wurden wir in den Warthegau evakuiert. Am 20.1.45 mussten wir von dort wieder weg. Wir fuhren im offenen Güterwagen bei eisiger Kälte nach Cottbus. Wir, das waren meine Mutter, mein Bruder Wilhelm* (16 Jahre alt), meine 6 jährige Schwester Charlotte und ich [14 Jahre alt].

Dann hieß es, alle Flüchtlinge aus Osten treffen sich in der Schule in Cottbus Sandow.
Wir sollten weiter nach Westen transportiert werden. Wir deponierten unser Gepäck in der Turnhalle der Schule. Da gab es Fliegeralarm.
Mama, Charlotte und ich waren auf dem Schulhof als die ersten Bomben fielen. Ein SA-Mann wies uns an, den Luftschutzraum im Keller der Schule aufzusuchen. Mama wollte in der Eingangstür der Schule mit uns bleiben. Da der Bombenregen immer näher niederprasselte, zog ich meine Schwester die Treppe in den Keller hinunter. Mama kam hinterher.

Als wir im Kellergang waren, sah ich, daß der linke Teil der Schule zusammenstürzte. Es war ein entsetzlicher Anblick zu sehen, wie die Decke herunterfiel. Der linke Teil der Schule bekam einen Volltreffer ab. Durch den Staub vom Putz bekamen wir keine Luft. Irgendjemand rief, wir sollen uns Taschentücher naßmachen und vor den Mund halten. […] Dann rief jemand, es sei Entwarnung, wir könnten den Keller verlassen.

Ich war die Erste, die durch ein Fenster nach draußen gehoben wurde. Charlotte und Mama folgten. Unmittelbar vor dem Kellerfenster war ein riesiger Bombentrichter. Nicht auszudenken wenn die Bombe 2-3 Meter weiter zur Schule gefallen wäre! […] Dann sagte irgendwer, wir sollen zurück in unsere alten Quartiere gehen, an eine Weiterreise ist nicht zu denken, der ganze Bahnhof sei zerstört. […]

Den Blick oben von der Straße auf den Bahnhof bzw. auf die Gleise werde ich nie vergessen. Ich sah Schienen die wie Spiralen in den Himmel ragten.“

* alle Personennamen redaktionell geändert

Quelle: Stadtmuseum & Stadtarchiv Cottbus.