Augenzeugenbericht von der Bahnhofsbrücke

Heute vor 71 Jahren ertönten gegen 11.05 Uhr die Sirenen zum Voralarm und gegen 11.35 Uhr folgte der Fliegeralarm.
Heute wird daher auch unser letzter Bericht von diesem Tag veröffentlicht. Bilder des Hotel Berliner Hof in der Bahnhofstraße von 1945 und der Ostseite der Lutherkirche von damals und heute, zeigen nochmals das Ausmaß der Zerstörung und wie es heute aussieht. Bei all dem Leid in den Berichten sollte nie vergessen werden, dass die Flächenbombardements eine direkte Folge des Aggressionskrieges von Hitler-Deutschland waren. Wer hier allein den Bombardierenden die Schuld gibt, hat die Geschichte falsch oder gar nicht verstanden. Parallelen zu heutigen Kriegen gibt es dabei genug. Auch damals haben Bomben noch keinen Krieg beendet. Wir möchten uns abschließend nochmals beim Stadtmuseum Cottbus & dem Stadtarchiv Cottbus bedanken und hoffen, dass die Berichte und die Fotos der Beginn einer dauerhaften Zusammenarbeit sind. Aber nun der Bericht:

„Am 15.2.1945, als der Bombenhagel zu Ende war und wir aus dem Keller in der Wilhelmstraße an das Tageslicht kamen, sahen wir schon von weitem die große Qualmwolke aus Richtung Süden. Wir wussten noch nicht woher diese Wolke kam. Mein Bruder und ich, neugierig, es war der erste und einzige Großangriff auf Cottbus, machten uns auf den Weg. Wir mussten über die beiden Bahnhofsbrücken, welche noch standen. Das Bild war grausam…

Auf der Brücke lagen überall tote Menschen verstreut, mit Decken zugedeckt. Die Thiemstraße bot ebenfalls ein Bild des Grauens. Bombentrichter an Bombentrichter. Die Straßenbahngleise zu bizarren Formen verbogen. Nun sahen wir, dass die Lutherkirche in hellen Flammen stand! Mehrere Wohnhäuser – wo heute das Lutherdenkmal steht – hatten Volltreffer erhalten, das Gemeindehaus „Salem“ Ecke Finsterwalder Straße war vollkommen zerstört und auch auf der westliche Seite, gegenüber der Lutherkirche, waren die Häuser bis zur Calauer Straße völlig zerstört.

Nun standen wir vor der brennenden Kirche und in der Zwischenzeit waren auch die Feuerwehren aus der Umgebung eingetroffen. Mann wusste gar nicht, wo mit dem Löschen anfangen, denn es gab auch kein Wasser. So standen die Feuerwehrleute und wir, die Feuerwehrleute holten von einigen Pumpen, die sich in der Umgebung befanden, Eimer mit Wasser, was angesichts des Großbrandes ein hoffnungsloses Unterfangen war. Man konnte nur versuchen, ein Übergreifen des Feuers auf umliegende Grundstücke zu vermeiden.
Angesichts der Hoffnungslosigkeit, die Kirche zu retten und der Tatsache, dass ja auch das nicht weit entfernt liegende Krankenhaus viele Volltreffer erhalten hatte, wobei sehr viele Tote zu beklagen waren, wurden die Löscharbeiten dann wahrscheinlich eingestellt.“

Quelle: Lehm, Christian: Die Zerstörung der Lutherkirche 1945 beim Luftangriff am 15. Februar [unveröffentlichtes Manuskript, Stadtmuseum Cottbus].