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Multikulturelle Krabbelgruppe & Playgroup im ElKiZe

Nach den vielen schlechten Nachrichten der letzten Tage, möchten wir auch auf etwas Positives hinweisen. Das Eltern-Kind-Zentrum in Neu-Schmellwitz bietet eine Krabbelgruppe/Playgroup für deutsche und ausländische Familien an. Kinder im Alter von 0-6 Jahren können hier miteinander spielen, während sich die Eltern kennenlernen können. Der Angebotsflyer ist aus diesem Grund auch mehrsprachig Angelegt.

Dieses Angebot beweist, das Integration in unserer Stadt auch umgesetzt wird. Das Eltern-Kind-Zentrum ist da nur ein Beispiel, von vielen. Bitte mehr davon!

Augenzeugenbericht vom 15.02.1945 – Nr. 7 – Bahnhofsbrücke

Heute vor 71 Jahren ertönten gegen 11.05 Uhr die Sirenen zum Voralarm und gegen 11.35 Uhr folgte der Fliegeralarm.
Heute wird daher auch unser letzter Bericht von diesem Tag veröffentlicht. Bilder des Hotel Berliner Hof in der Bahnhofstraße von 1945 und der Ostseite der Lutherkirche von damals und heute, zeigen nochmals das Ausmaß der Zerstörung und wie es heute aussieht. Bei all dem Leid in den Berichten sollte nie vergessen werden, dass die Flächenbombardements eine direkte Folge des Aggressionskrieges von Hitler-Deutschland waren. Wer hier allein den Bombardierenden die Schuld gibt, hat die Geschichte falsch oder gar nicht verstanden. Parallelen zu heutigen Kriegen gibt es dabei genug. Auch damals haben Bomben noch keinen Krieg beendet. Wir möchten uns abschließend nochmals beim Stadtmuseum Cottbus & dem Stadtarchiv Cottbus bedanken und hoffen, dass die Berichte und die Fotos der Beginn einer dauerhaften Zusammenarbeit sind. Aber nun der Bericht:

„Am 15.2.1945, als der Bombenhagel zu Ende war und wir aus dem Keller in der Wilhelmstraße an das Tageslicht kamen, sahen wir schon von weitem die große Qualmwolke aus Richtung Süden. Wir wussten noch nicht woher diese Wolke kam. Mein Bruder und ich, neugierig, es war der erste und einzige Großangriff auf Cottbus, machten uns auf den Weg. Wir mussten über die beiden Bahnhofsbrücken, welche noch standen. Das Bild war grausam…

Auf der Brücke lagen überall tote Menschen verstreut, mit Decken zugedeckt. Die Thiemstraße bot ebenfalls ein Bild des Grauens. Bombentrichter an Bombentrichter. Die Straßenbahngleise zu bizarren Formen verbogen. Nun sahen wir, dass die Lutherkirche in hellen Flammen stand! Mehrere Wohnhäuser – wo heute das Lutherdenkmal steht – hatten Volltreffer erhalten, das Gemeindehaus „Salem“ Ecke Finsterwalder Straße war vollkommen zerstört und auch auf der westliche Seite, gegenüber der Lutherkirche, waren die Häuser bis zur Calauer Straße völlig zerstört.

Nun standen wir vor der brennenden Kirche und in der Zwischenzeit waren auch die Feuerwehren aus der Umgebung eingetroffen. Mann wusste gar nicht, wo mit dem Löschen anfangen, denn es gab auch kein Wasser. So standen die Feuerwehrleute und wir, die Feuerwehrleute holten von einigen Pumpen, die sich in der Umgebung befanden, Eimer mit Wasser, was angesichts des Großbrandes ein hoffnungsloses Unterfangen war. Man konnte nur versuchen, ein Übergreifen des Feuers auf umliegende Grundstücke zu vermeiden.
Angesichts der Hoffnungslosigkeit, die Kirche zu retten und der Tatsache, dass ja auch das nicht weit entfernt liegende Krankenhaus viele Volltreffer erhalten hatte, wobei sehr viele Tote zu beklagen waren, wurden die Löscharbeiten dann wahrscheinlich eingestellt.“

Quelle: Lehm, Christian: Die Zerstörung der Lutherkirche 1945 beim Luftangriff am 15. Februar [unveröffentlichtes Manuskript, Stadtmuseum Cottbus].

 

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Augenzeugenbericht vom 15.02.1945 – Nr. 6 – Bahnhof (2)

Unser nächster Bericht thematisiert wieder die Bombardierung des Bahnhofs, am 15.02.1945, der als zentraler Knotenpunkt der Stadt und Logistikzentrum zur Versorgung diente. Sehr eindrucksvoll ist das Foto vom Fußgängertunnel 1945 im Vergleich zum Foto des Tunnels von Heute. Hier der Bericht, der wie auch die letzten Berichte inklusive der Fotos, vom Stadtarchiv & Stadtmuseum zur Verfügung gestellt wurden:

„Als 16-Jähriger bin ich am 09.02.45 zum Reichsarbeitsdienst nach Sommerfeld eingezogen worden. […] Wir wurden dann nach Forst Eulo, westlich der Neiße verlegt. Am 14. Februar bekamen wir Fahrräder und fuhren bis zum Bahnhof Klinge. Dort stand ein Transportzug, in welchen wir verladen wurden. Nachts ging die Fahrt ab, wir sollten nach Oldenburg verlegt werden. Scheinbar war die Lok altersschwach und defekt, wir kamen in dieser Nacht nur bis Cottbus. Dort lagen wir genau im Bahnhof im ersten Gleis daneben fest. Gegen 12.00 Uhr mittags gab es Fliegeralarm. Als ich aus dem Waggon sah, da erblickte ich genau über uns am Himmel schon die Rauchzeichen der Markierungsbomben. Nun aber schleunigst raus und in den Luftschutzkeller im Bahnhof. Schon ging das Krachen der Flak-Geschütze und der Bombeneinschläge los.

Der Keller war proppenvoll mit Flüchtlingen, Frauen und Kindern und uns aus dem Transportzug. Mit einem Mal gab es einen fürchterlichen Rumms, der Keller hob und senkte sich, das Licht ging aus, Frauen und Kinder brüllten los. Gleich darauf noch einmal den selben Rumms und der Keller hob und senkte sich wieder. Noch einmal Geschrei. Ich dachte mir, die Kellerdecke hält noch und kommt, außer Kalkgeriesel, nicht runter. Alle beruhigten sich langsam wieder. Das Rummsen draußen hörte aber noch lange nicht auf. Als Leute von uns dann nach langer Zeit doch endlich die Kellertür öffneten, sahen wir, daß im Bahnhof ein Munitionszug stand, der getroffen worden war und in die Luft flog. Etwa 8 bis 10 Meter vor dem Kellereingang war ein riesiger Bombentrichter und diagonal über Eck vom Bahnhof hatte die nächste Bombe unseren Transportzug getroffen.

Nach dem Sammeln mußten wir aus einem Lazarettzug, der auch getroffen worden war, Verwundete bergen helfen und in die Kasernen von der Division Großdeutschland bringen. Als 16-Jähriger sah ich damals in Cottbus meine ersten Kriegstoten. Selber war ich noch einmal davongekommen.“

Quelle: Stadtmuseum & Stadtarchiv Cottbus.

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Augenzeugenbericht vom 15.02.1945 – Nr. 5 – Klinikum

Am heutigen Tag jährt sich die Bombardierung von Dresden, die bedeutend zerstörerischer war, als die Bombardierung von Cottbus zwei Tage später. Dennoch sind auch die Augenzeugenberichte aus Cottbus sehr erschütternd. Das Krankenhaus war Opfer der Bombardierung genau wie die nahe liegende Lutherkirche. Ein Foto der Westseite der Kirche zeigt, dass nach der Bombardierung nicht mehr viel von der Struktur übrig blieb. Auch die Zeichnung der Nordseite des Krankenhauses zeigt das Ausmaß der Zerstörung. Zum Vergleich haben wir ein aktuelles Foto der Nordseite des Krankenhauses. Jetzt können wir uns zumindest eine Vorstellung davon machen warum man als Flüchtling ein Land aufsuchen möchte in dem nicht gekämpft wird und das auf absehbare Zeit. Wir danken der freundlichen Unterstützung des Stadtarchivs & Stadtmuseum. Aber nun der Bericht:

„Am 15.2.1945 traf es hart alle Einwohner der Stadt, die mit Flüchtlingen angefüllt war. Die Lutherkirche wurde ein Opfer dieses Angriffs. Das Krankenhaus zählte allein über 96 Einschläge. Unsere Jugendlichen, deren viele im Krankenhaus tätig sind, erlebten die Zerstörung… Wie durch ein Wunder blieb ein Mädchen bewahrt, desgleichen die, die im Altersheim „Salem“ tätig waren, welches völlig zerstört wurde [Ecke Finsterwalder- und Thiemstraße]. Aber unsagbare Not war überall zu sehen.

Auf dem Bahnhof stand seit der Morgenfrühe ein Lazarettzug.

Man hatte noch einen Munitionszug eingeschleust. Nicht weit davon ab standen zwei Flüchtlingszüge aus dem Osten und dann geschah das Furchtbare, was die ganze Stadt erschütterte. Es war, als hätte ein Riese die Stadt geschüttelt… Die letzte Welle der Bomber war gerade im Anflug, als dieses furchtbare Drama geschah: […] Der Munitionszug wurde durch die Bomben getroffen und flog in die Luft. Welch ein Elend war dann auf dem Bahnhof zu finden! Das Durcheinander war unbeschreiblich. Wie in einem Ameisenhaufen lösten sich die Menschen, die mit den Flüchtlingszügen eingetroffen waren.“

Quelle: Lehm, Christian: Die Zerstörung der Lutherkirche 1945 beim Luftangriff am 15. Februar [unveröffentlichtes Manuskript, Stadtmuseum Cottbus].

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Augenzeugenbericht vom 15.02.1945 – Nr. 4 – Bahnhof (1)

Da der Bahnhof besonders stark am 15.02.1945 getroffen wurde, haben wir auch gleich mehrere Augenzeugenberichte aus dem Bahnhofsbereich. Heute ist der Bericht eines Bahnhofsangestellten an der Reihe, der an dem besagten Tag an der Fahrkartenausgabe seinen Dienst versah. Das Foto des Funktionsgebäudes des Bahnhofs von 1945 zeigt die Zerstörungen sehr eindrucksvoll. Heute ist von dieser Zerstörung auf den Bahnsteigen nicht mehr viel zu sehen. Hier der Augenzeugenbericht:

„An diesem 15. Februar machte ich meinen Dienst wie immer in der Fahrkartenausgabe im Bahnhof Cottbus. Durch das Bürofenster sah ich auf die Nordseite des Bahnhofs. Täglich standen die Menschen Schlange vor den Schaltern und verlangten Fahrkarten in Richtung Westen. […]
Eine entfernte Verwandte war mit Gepäck und 3 Kinder von jenseits der Neiße in Guben auf dem Weg nach Lübben und wartete auf dem Berliner Bahnsteig auf den Personenzug. Ich wollte ihr beim Einsteigen helfen. […] Es ging schon auf Mittag zu und ich ging wieder zum Bahnsteig. Da gingen plötzlich die Sirenen, ich sah zum Himmel Richtung Lutherkirche, sah die Flugzeuge, die Bomben fielen, Rauch stieg auf. Wo jetzt hin?

Ich griff mir den Ältesten der Kinder, die Mutter wie die beiden anderen Kinder. Wir standen in der Nähe der Abgangstreppe und drängten nach unten. Zum Tunnel war schon alles überfüllt und von oben drängten weiter die Menschen nach unten. Das Inferno über uns ging los. Plötzlich wurde es finster. Reklametafeln, durch die Erschütterungen, lose geworden, fielen auf uns herab. Wie lange wir so ausharrten, weiß ich nicht mehr. Dann kam die Entwarnung. Wie ich die Verwandten entlassen hab, weiß ich nicht mehr. Ich ging wie betäubt in die Bahnhofshalle. Gott Lob, das Bahnhofsgebäude stand noch. Aber die Scheiben der Schalter lagen als Scherben in der Halle. Die Pautzen zum drucken der Fahrkarten und Geld lagen ebenfalls in der Bahnhofshalle. Ich sammelte alles auf, ging in unsere Räume und brachte das Geld in den Geldschrank. Ich ging nach Hause. Ich sah die ersten Bomben im Süden fallen. Was würde mich dort erwarten?

Auf der Bahnhofsrampe kam ich vorbei an toten Menschen, an toten Pferden. Die Bahnhofsbrücke Richtung Süden war passierbar. Aber weiter musste ich an zerbombten Häusern vorbei, überall brannte es, die Lutherkirche brannte. […]“

Quelle: Stadtmuseum & Stadtarchiv Cottbus.

Augenzeugenbericht vom 15.02.1945 – Nr. 3 – Görlitzer Straße/Dresdner Straße

Die Görlitzer Straße und Dresdner Straße ist heute Schauplatz eines Augenzeugenberichtes vom 15.02.1945. Dazu haben wir ein Foto eines Wohnhauses in der Dresdener Straße von 1945 hinzugefügt und ein Foto der Unterführung in der Dresdener Straße (heute Straße der Jugend) von 1945 im Vergleich mit einem Foto von heute. Wie wichtig der Informationsaustausch und die Informationsverfügbarkeit für sich in Kriegsgebieten befindlichen Menschen ist, sollte nach diesem Bericht deutlich sein. Viele wunderten sich über Smartphones, damals war es Drahtfunk. Alle Bilder und der Bericht sind auch dieses Mal vom Stadtarchiv & Stadtmuseum zur Verfügung gestellt worden. Vielen Dank dafür. Hier nun der Bericht:

„Sehr stark beeinflusst sind meine Eindrücke von meinem Wohnumfeld in der Görlitzer Straße, in dem ich seit meinem dritten Lebensjahr aufgewachsen bin. Die Fenster des Wohnzimmers waren auf die östlichen Gleisanlagen des Bahnhofs Cottbus gerichtet. […]

Es hatte schon lange Voralarm gegeben. Die letzte Meldung vom Drahtfunk (der örtliche Luftwarnsender) kündigte den Anflug starker Bomberverbände auf das Stadtgebiet aus Süden an. Am geöffneten Fenster waren eigentümliche pfeifende Geräusche zu hören. Dann heulten die Alarmsirenen auf, zu spät, denn die ersten Bomben detonierten bereits. Wir, meine Mutter und ich, rasten die Treppe hinunter und vor dem Kellereingang kam uns schon die Haustür hinterher geflogen. Dann folgte Schlag auf Schlag, mal näher mal ferner, der Kellerboden hob und senkte sich, mehrere Bewohner flehten Gott um Hilfe an, keiner saß noch auf seinem Stuhl oder Bank, alle hockten geduckt auf dem Boden wie von überirdischer Gewalt gedrückt. In lebhafter Erinnerung habe ich noch die Ratschläge eines Fronturlaubers, der meiner Mutter riet, […] an seinen Platz – einem Türdurchbruch – zu hocken, falls das Haus einstürzt. Unmittelbar danach folgte ein Schlag, die dicken, gasdichten Luftschutztüren, die nur von kräftigen Personen verriegelt werden konnten, flogen wie Windfangtüren auf und eine Druckwelle mit Zementstaub jagte in die Kellerräume. Wir sahen unser Ende gekommen. Aber unser Haus blieb stehen. Die Explosionen entfernten sich, aber es kam keine Entwarnung. Unser Luftschutzwart, ein gewissenhafter Mann, wollte unsere Lage erkunden, kam aber immer mit der Nachricht wieder, dass laufend noch Bomben explodierten. So saßen wir bis ungefähr 14.00 Uhr im Keller bis mein Onkel, ein Lokführer, erschien und uns klar machte, dass die Explosionen von einem brennenden Munitionszug auf der Nordseite kommen. Sein Ziel war, […] uns aufzufordern, alles mögliche zu packen, weil erzählt wird: Die kommen nachts wieder und erledigen den restlichen Teil der Stadt. […]
Der Handwagen war schnell gepackt, denn wir hatten ja schon lange Order uns auf eine Evakuierung vorzubereiten. Die Görlitzer Straße war gut passierbar, aber dann in der Dresdener Straße kamen wir ins Chaos. Soldaten waren zwar schon mit Räumarbeiten beschäftigt, aber wir mussten zwischen Bombentrichtern, Pferdekadavern, Mauerschutt, Straßenbahnmasten und Oberleitungen Slalom fahren. Vorbei ging es an brennenden Häusern und ohne Zupacken der Soldaten hätten wir den Weg nicht geschafft. Das war ein echtes Kriegserlebnis.“

Quelle: Stadtmuseum & Stadtarchiv Cottbus.

 

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