Geschichte

Früher war alles besser…

Früher war alles besser. Früher hat man noch zusammengehalten. Früher war das auch mit den Flüchtlingen einfacher. Die hatten ja auch unsere Kultur, waren Deutsche…

…War früher alles besser? Hat das mit den Flüchtlingen so gut geklappt?
Der hier verlinkte Artikel des Spiegel zeigt, dass die Vertriebenen damals genauso wenig willkommen waren wie heute die Flüchtlinge. Dabei hatten die Menschen damals keine kulturellen Unterschiede, es waren Deutsche. Beschimpft wurden sie dennoch als „Polacken“ und „Zigeuner“. Der Artikel zeigt, dass sich die Geschehnisse ähneln, mit einem Unterschied: Deutschland ist heute eines der reichsten Länder Europas und keine Trümmerwüste wie 1945.

Hier also der Blick zurück:
http://www.spiegel.de/einestages/vertriebene-nach-zweitem-weltkrieg-millionen-suchten-zuflucht-a-1076872.html

Ein Blick in die Vergangenheit

Vielleicht ist ein Blick in die Vergangenheit manchmal sinnvoll, um zu verhindern, dass sich Fehler wiederholen. So schauen wir heute in das Cottbus vor genau 24 Jahren, wo Rechte Gewalt am 31. August 1992 einen neuen Höhepunkt erreicht, wie der Tagesschaubericht zeigt. Unsere Hoffnung ist, dass solche Szenen in Cottbus nicht mehr zu sehen sein werden.

Tagesschau 31. August 1992 von europareise

Der verlorene Zug

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Es ist der Morgen des 23. April 1945, etwa 2 Wochen vor der bedingungslosen Kapitulation der dt. Wehrmacht. Wir befinden uns in der Nähe von Tröbitz, genauer bei Bahnkilometer 106,7 aus Richtung Falkenberg im heutigen Kreis Elbe-Elster.
Auf den Schienen der Bahnstrecke steht ein verlassener Zug. Als die Truppen der Roten Armee die Waggontüren öffnen, bietet sich ihnen ein grausamer Anblick. Zwischen zahlreichen Toten befinden sich völlig erschöpfte Menschen, näher am Tod als am Leben. Wie sich später herausstellte, war dieser Zug der letzte von Dreien aus dem KZ Bergen-Belsen, welcher in den letzten Wochen des NS-Regimes mit insgesamt 2400 Juden ( unter ihnen auch zahlreiche Frauen und Kinder verteilt auf 46 Wagen ) auf die Fahrt nach Theresienstadt ins dortige Konzentrationslager geschickt wurde.
Bereits unterwegs musste man öfter halten, um die Leichen neben der Bahnstrecke zu verscharren. Die meisten waren aufgrund von Typhus oder einfach an Hunger verstorben. Viele jedoch auch an den Folgen von Luftangriffen der Strecke. Letztendlich kam der Tross am 22. April 1945 bei Kilometer 101,6 bei Langennaundorf zum Stehen. An der Stelle wurde ein Massengrab ausgehoben und 16 Tote beerdigt. Tags darauf wurde er aus kriegsstrategischen Gründen nochmals bis zur finalen Fundstelle umgesetzt und verschlossen zurückgelassen.

Er ging in die Geschichte ein als “ der verlorene Zug “ oder treffender “ Zug der Verlorenen „.

Im weiteren Verlauf wurde ein notdürftiges Lazarett eingerichtet, die Epidemie eingedämmt und es konnten viele Menschen gerettet werden. Viele Einwohner nahmen sogar Juden bei sich zuhause auf, auch auf die Gefahr hin, sich mit Typhus anzustecken. Leider starben im weiteren Verlauf nochmals 320 Menschen an den Folgen dieser Tortur, darunter auch 26 helfende Einheimische. Nicht zuletzt auch durch das selbstlose Anpacken der Einwohner in den umliegenden Dörfern und deren Hilfsbereitschaft, haben rund 1500 der 2400 Gefangenen überlebt und konnten bereits bis Ende August, mit Hilfe der mittlerweile eingetroffenen Alliierten, das Dorf verlassen.

Was sollten wir daraus lernen oder noch besser, was haben wir daraus gelernt?

Ich selbst war am gestrigen Tag an eben dieser Stelle bei Kilometer 101,6 , der Stelle des Massengrabes und durfte an der Gedenkveranstaltung teilnehmen. Zur Erinnerung und zur Ehre der 16 dort begrabenen Juden,darunter 2 Kinder, wurde dort 1989 ein Stein gesetzt, an dessen Sockel die Namen der dort Ruhenden stehen.
Es waren nicht viele Menschen dort, vielleicht 30, Angehörige der Opfer, Anwohner und Vertreter der jüdischen Gemeinde und des Landkreises, sogar eine Schulklasse. Es war ein stilles Gedenken, mitten im Wald.

Der Rabbiner begann mit seinen Ausführungen und sagte die für mich prägendsten Sätze bisher:

„ …Wir reden bisher immer nur von der Nachkriegsgeschichte…vielleicht sind wir aber mitten in der Vorkriegsgeschichte, nochmehr Nationalismus, nochmehr Ausländerfeindlichkeit. Man hätte daraus lernen müssen, nur leider tat man es nicht. Und jetzt ersticken Leute in Lastwagen oder Containern auf der Flucht und ich mache mir Sorgen, dass wir irgendwann die nächste oder die übernächste Generation hier stehen haben werden und die Fragen hören: Wo genau ist mein Opa hier gestorben … “

ME

Quellen:
http://lokschuppenherzberg.de/-der-verlorene-zug-/index.html

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Verlorener_Zug

Erinnerung an die Reichskristallnacht

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Heute möchten wir an den 23. März 1933 erinnern. An diesem Tag vor 83 Jahren wurde das sogenannte Ermächtigungsgesetz beschlossen. Das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ sollte der NS-Regierung das Recht geben, Gesetze eigenständig zu erlassen und völkerrechtliche Verträge zu schließen, ohne den Reichstag oder Reichsrat vorher abstimmen zu lassen.

Die Notwendigkeit begründete Hitler mit der vermeintlichen Not, die im deutschen Volk herrsche und dass die Demokratie in diesem Zusammenhang nur schaden würde.

Vorbereitet wurde die Abstimmung schon weit vorher, so wurden die Mandate der 81 Abgeordneten der KPD schon am 8. März annulliert. Während der Abstimmung befanden sich bewaffnete Einheiten der SA im Reichstag um zusätzlich Druck auf die Abgeordneten auszuüben. Trotz dieser Vorbereitungen stimmten die 94 Abgeordneten der SPD gegen das Gesetz, was im Nachhinein eine Verhaftungswelle dieser auslöste.

Auch heute ist man in Anbetracht von Terroranschlägen oft bereit, demokratische Rechte aufzugeben. Noterlasse wie der Patriot Act in der USA werden vom Parlament selbst beschlossen und auch immer wieder aus unterschiedlichsten Gründen verlängert. In Europa wird nach den Anschlägen von Paris und Brüssel laut über Notstandsgesetze und Beschneidung von Bürgerrechten nachgedacht.

So sehr wir uns auch bedroht fühlen, so sollten wir uns unsere hart erkämpfte Demokratie nicht nehmen lassen. Meinungs- und Religionsfreiheit und unsere Toleranz gegenüber allen Menschen sind wichtige Eckpfeiler unserer europäischen Kultur geworden. Damals führten Ängste zur Aufgabe dieser Werte. Dieses Szenario sollte sich, auch angesichts von Terror, nie wiederholen.

Augenzeugenbericht vom 15.02.1945 – Nr. 7 – Bahnhofsbrücke

Heute vor 71 Jahren ertönten gegen 11.05 Uhr die Sirenen zum Voralarm und gegen 11.35 Uhr folgte der Fliegeralarm.
Heute wird daher auch unser letzter Bericht von diesem Tag veröffentlicht. Bilder des Hotel Berliner Hof in der Bahnhofstraße von 1945 und der Ostseite der Lutherkirche von damals und heute, zeigen nochmals das Ausmaß der Zerstörung und wie es heute aussieht. Bei all dem Leid in den Berichten sollte nie vergessen werden, dass die Flächenbombardements eine direkte Folge des Aggressionskrieges von Hitler-Deutschland waren. Wer hier allein den Bombardierenden die Schuld gibt, hat die Geschichte falsch oder gar nicht verstanden. Parallelen zu heutigen Kriegen gibt es dabei genug. Auch damals haben Bomben noch keinen Krieg beendet. Wir möchten uns abschließend nochmals beim Stadtmuseum Cottbus & dem Stadtarchiv Cottbus bedanken und hoffen, dass die Berichte und die Fotos der Beginn einer dauerhaften Zusammenarbeit sind. Aber nun der Bericht:

„Am 15.2.1945, als der Bombenhagel zu Ende war und wir aus dem Keller in der Wilhelmstraße an das Tageslicht kamen, sahen wir schon von weitem die große Qualmwolke aus Richtung Süden. Wir wussten noch nicht woher diese Wolke kam. Mein Bruder und ich, neugierig, es war der erste und einzige Großangriff auf Cottbus, machten uns auf den Weg. Wir mussten über die beiden Bahnhofsbrücken, welche noch standen. Das Bild war grausam…

Auf der Brücke lagen überall tote Menschen verstreut, mit Decken zugedeckt. Die Thiemstraße bot ebenfalls ein Bild des Grauens. Bombentrichter an Bombentrichter. Die Straßenbahngleise zu bizarren Formen verbogen. Nun sahen wir, dass die Lutherkirche in hellen Flammen stand! Mehrere Wohnhäuser – wo heute das Lutherdenkmal steht – hatten Volltreffer erhalten, das Gemeindehaus „Salem“ Ecke Finsterwalder Straße war vollkommen zerstört und auch auf der westliche Seite, gegenüber der Lutherkirche, waren die Häuser bis zur Calauer Straße völlig zerstört.

Nun standen wir vor der brennenden Kirche und in der Zwischenzeit waren auch die Feuerwehren aus der Umgebung eingetroffen. Mann wusste gar nicht, wo mit dem Löschen anfangen, denn es gab auch kein Wasser. So standen die Feuerwehrleute und wir, die Feuerwehrleute holten von einigen Pumpen, die sich in der Umgebung befanden, Eimer mit Wasser, was angesichts des Großbrandes ein hoffnungsloses Unterfangen war. Man konnte nur versuchen, ein Übergreifen des Feuers auf umliegende Grundstücke zu vermeiden.
Angesichts der Hoffnungslosigkeit, die Kirche zu retten und der Tatsache, dass ja auch das nicht weit entfernt liegende Krankenhaus viele Volltreffer erhalten hatte, wobei sehr viele Tote zu beklagen waren, wurden die Löscharbeiten dann wahrscheinlich eingestellt.“

Quelle: Lehm, Christian: Die Zerstörung der Lutherkirche 1945 beim Luftangriff am 15. Februar [unveröffentlichtes Manuskript, Stadtmuseum Cottbus].

 

Permanenter Link als Seite: http://www.tolerantes-cottbus.de/augenzeugenbericht-von-der-bahnhofsbruecke/

Augenzeugenbericht vom 15.02.1945 – Nr. 6 – Bahnhof (2)

Unser nächster Bericht thematisiert wieder die Bombardierung des Bahnhofs, am 15.02.1945, der als zentraler Knotenpunkt der Stadt und Logistikzentrum zur Versorgung diente. Sehr eindrucksvoll ist das Foto vom Fußgängertunnel 1945 im Vergleich zum Foto des Tunnels von Heute. Hier der Bericht, der wie auch die letzten Berichte inklusive der Fotos, vom Stadtarchiv & Stadtmuseum zur Verfügung gestellt wurden:

„Als 16-Jähriger bin ich am 09.02.45 zum Reichsarbeitsdienst nach Sommerfeld eingezogen worden. […] Wir wurden dann nach Forst Eulo, westlich der Neiße verlegt. Am 14. Februar bekamen wir Fahrräder und fuhren bis zum Bahnhof Klinge. Dort stand ein Transportzug, in welchen wir verladen wurden. Nachts ging die Fahrt ab, wir sollten nach Oldenburg verlegt werden. Scheinbar war die Lok altersschwach und defekt, wir kamen in dieser Nacht nur bis Cottbus. Dort lagen wir genau im Bahnhof im ersten Gleis daneben fest. Gegen 12.00 Uhr mittags gab es Fliegeralarm. Als ich aus dem Waggon sah, da erblickte ich genau über uns am Himmel schon die Rauchzeichen der Markierungsbomben. Nun aber schleunigst raus und in den Luftschutzkeller im Bahnhof. Schon ging das Krachen der Flak-Geschütze und der Bombeneinschläge los.

Der Keller war proppenvoll mit Flüchtlingen, Frauen und Kindern und uns aus dem Transportzug. Mit einem Mal gab es einen fürchterlichen Rumms, der Keller hob und senkte sich, das Licht ging aus, Frauen und Kinder brüllten los. Gleich darauf noch einmal den selben Rumms und der Keller hob und senkte sich wieder. Noch einmal Geschrei. Ich dachte mir, die Kellerdecke hält noch und kommt, außer Kalkgeriesel, nicht runter. Alle beruhigten sich langsam wieder. Das Rummsen draußen hörte aber noch lange nicht auf. Als Leute von uns dann nach langer Zeit doch endlich die Kellertür öffneten, sahen wir, daß im Bahnhof ein Munitionszug stand, der getroffen worden war und in die Luft flog. Etwa 8 bis 10 Meter vor dem Kellereingang war ein riesiger Bombentrichter und diagonal über Eck vom Bahnhof hatte die nächste Bombe unseren Transportzug getroffen.

Nach dem Sammeln mußten wir aus einem Lazarettzug, der auch getroffen worden war, Verwundete bergen helfen und in die Kasernen von der Division Großdeutschland bringen. Als 16-Jähriger sah ich damals in Cottbus meine ersten Kriegstoten. Selber war ich noch einmal davongekommen.“

Quelle: Stadtmuseum & Stadtarchiv Cottbus.

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Augenzeugenbericht vom 15.02.1945 – Nr. 5 – Klinikum

Am heutigen Tag jährt sich die Bombardierung von Dresden, die bedeutend zerstörerischer war, als die Bombardierung von Cottbus zwei Tage später. Dennoch sind auch die Augenzeugenberichte aus Cottbus sehr erschütternd. Das Krankenhaus war Opfer der Bombardierung genau wie die nahe liegende Lutherkirche. Ein Foto der Westseite der Kirche zeigt, dass nach der Bombardierung nicht mehr viel von der Struktur übrig blieb. Auch die Zeichnung der Nordseite des Krankenhauses zeigt das Ausmaß der Zerstörung. Zum Vergleich haben wir ein aktuelles Foto der Nordseite des Krankenhauses. Jetzt können wir uns zumindest eine Vorstellung davon machen warum man als Flüchtling ein Land aufsuchen möchte in dem nicht gekämpft wird und das auf absehbare Zeit. Wir danken der freundlichen Unterstützung des Stadtarchivs & Stadtmuseum. Aber nun der Bericht:

„Am 15.2.1945 traf es hart alle Einwohner der Stadt, die mit Flüchtlingen angefüllt war. Die Lutherkirche wurde ein Opfer dieses Angriffs. Das Krankenhaus zählte allein über 96 Einschläge. Unsere Jugendlichen, deren viele im Krankenhaus tätig sind, erlebten die Zerstörung… Wie durch ein Wunder blieb ein Mädchen bewahrt, desgleichen die, die im Altersheim „Salem“ tätig waren, welches völlig zerstört wurde [Ecke Finsterwalder- und Thiemstraße]. Aber unsagbare Not war überall zu sehen.

Auf dem Bahnhof stand seit der Morgenfrühe ein Lazarettzug.

Man hatte noch einen Munitionszug eingeschleust. Nicht weit davon ab standen zwei Flüchtlingszüge aus dem Osten und dann geschah das Furchtbare, was die ganze Stadt erschütterte. Es war, als hätte ein Riese die Stadt geschüttelt… Die letzte Welle der Bomber war gerade im Anflug, als dieses furchtbare Drama geschah: […] Der Munitionszug wurde durch die Bomben getroffen und flog in die Luft. Welch ein Elend war dann auf dem Bahnhof zu finden! Das Durcheinander war unbeschreiblich. Wie in einem Ameisenhaufen lösten sich die Menschen, die mit den Flüchtlingszügen eingetroffen waren.“

Quelle: Lehm, Christian: Die Zerstörung der Lutherkirche 1945 beim Luftangriff am 15. Februar [unveröffentlichtes Manuskript, Stadtmuseum Cottbus].

Permanenter Link als Seite: http://www.tolerantes-cottbus.de/augenzeugenbericht-aus-der-umgebung-krankenhaus/

Augenzeugenbericht vom 15.02.1945 – Nr. 4 – Bahnhof (1)

Da der Bahnhof besonders stark am 15.02.1945 getroffen wurde, haben wir auch gleich mehrere Augenzeugenberichte aus dem Bahnhofsbereich. Heute ist der Bericht eines Bahnhofsangestellten an der Reihe, der an dem besagten Tag an der Fahrkartenausgabe seinen Dienst versah. Das Foto des Funktionsgebäudes des Bahnhofs von 1945 zeigt die Zerstörungen sehr eindrucksvoll. Heute ist von dieser Zerstörung auf den Bahnsteigen nicht mehr viel zu sehen. Hier der Augenzeugenbericht:

„An diesem 15. Februar machte ich meinen Dienst wie immer in der Fahrkartenausgabe im Bahnhof Cottbus. Durch das Bürofenster sah ich auf die Nordseite des Bahnhofs. Täglich standen die Menschen Schlange vor den Schaltern und verlangten Fahrkarten in Richtung Westen. […]
Eine entfernte Verwandte war mit Gepäck und 3 Kinder von jenseits der Neiße in Guben auf dem Weg nach Lübben und wartete auf dem Berliner Bahnsteig auf den Personenzug. Ich wollte ihr beim Einsteigen helfen. […] Es ging schon auf Mittag zu und ich ging wieder zum Bahnsteig. Da gingen plötzlich die Sirenen, ich sah zum Himmel Richtung Lutherkirche, sah die Flugzeuge, die Bomben fielen, Rauch stieg auf. Wo jetzt hin?

Ich griff mir den Ältesten der Kinder, die Mutter wie die beiden anderen Kinder. Wir standen in der Nähe der Abgangstreppe und drängten nach unten. Zum Tunnel war schon alles überfüllt und von oben drängten weiter die Menschen nach unten. Das Inferno über uns ging los. Plötzlich wurde es finster. Reklametafeln, durch die Erschütterungen, lose geworden, fielen auf uns herab. Wie lange wir so ausharrten, weiß ich nicht mehr. Dann kam die Entwarnung. Wie ich die Verwandten entlassen hab, weiß ich nicht mehr. Ich ging wie betäubt in die Bahnhofshalle. Gott Lob, das Bahnhofsgebäude stand noch. Aber die Scheiben der Schalter lagen als Scherben in der Halle. Die Pautzen zum drucken der Fahrkarten und Geld lagen ebenfalls in der Bahnhofshalle. Ich sammelte alles auf, ging in unsere Räume und brachte das Geld in den Geldschrank. Ich ging nach Hause. Ich sah die ersten Bomben im Süden fallen. Was würde mich dort erwarten?

Auf der Bahnhofsrampe kam ich vorbei an toten Menschen, an toten Pferden. Die Bahnhofsbrücke Richtung Süden war passierbar. Aber weiter musste ich an zerbombten Häusern vorbei, überall brannte es, die Lutherkirche brannte. […]“

Quelle: Stadtmuseum & Stadtarchiv Cottbus.