Interview

Religion verstehen – Der ZEN-Buddhismus – Ein Interview

buddhismus1Zum Thema Buddhismus redeten wir mit Thomas Kaffner. Er ist ZEN-DOJO Leiter seit 1988 und hat den buddhistischen Namen: 圓應 (ENNO). Er hat uns einen sehr interessanten Einblick in den Zen-Buddhismus gegeben und sogar eine eigene Frage (7) hinzugefügt und beantwortet. Er steht, wie auch die anderen Interviewpartner, für Eure Fragen zur Verfügung. Hier nun das Interview:

1. Nehmen wir mal an, jemand hätte noch nie etwas von Ihrer Religion gehört – wie würden sie dieser Person erklären, was den Buddhismus ausmacht?

Der Buddhismus ist keine Religion im eigentlichen Sinne. Die meisten Religionen sind Glaubens-Religionen und einige davon sogar Religionen die den Glauben an Gott/Götter propagieren.
Der Buddhismus ins besondere der Zen-Buddhismus kennt keinen Gott/Götter. Er zeigt einen Weg, wie man sich von allen Illusionen befreien kann, und zwar, durch Selbst-Erkenntnis. Deshalb wird der Buddhismus auch Erkenntnis-Religion genannt.
Es gilt eher die Maxime: Hoffe, erwarte, glaube – nichts!
Dieser Wunsch nach Selbsterkenntnis kann nur aus dem Menschen selbst kommen und wird nicht von außen an ihn herangetragen, gefordert oder gar befohlen. Man bekommt keine Belohnung wenn man diesem Weg folgt und muss auch keine Strafe fürchten, wenn man was anderes macht. Die Befreiung ist also eine Selbstbefreiung.
Um dieses Ziel zu erreichen gibt es die Lehre der vier edlen Wahrheiten und den edlen achtfachen Pfad.

Die edlen Vier Wahrheiten:

– Das Dasein ist unbeständig und andauernder Veränderung unterworfen und wird deshalb als unbefriedigend, leidvoll, erfahren
– Die Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Unwissenheit
– Verschwinden die Ursachen, dann verschwindet auch das Leiden
– Es gibt einen Weg der zur Auflösung des Leidens führt:

Der edle Achtfache Pfad

– Rechte Erkenntnis, Einsicht
– Rechtes Denken, Gesinnung, Entschluss fassen
– Rechte Rede
– Rechtes Handeln
– Rechter Lebenserwerb
– Rechte Bemühung, Motivation
– Rechte Konzentration, Achtsamkeit
– Rechte Sammlung, Meditation

2. Was bedeutet Ihnen Ihre Religion?

Das Bewusstsein für mein Leben selbst verantwortlich zu sein, selbst zu entscheiden was hilfreich ist für mich und andere. Mich nicht nach Schriften, Lehren, Geboten und Autoritäten zu richten, sondern mich um eigene Erkenntnis zu bemühen und mich danach zu richten.

3. Wie leben Sie Ihre Religion im Alltag und wie halten Sie die Regeln ihrer Religion hier in Deutschland ein?

Im Zen-Buddhismus liegt die Zen-Meditation(Stilles Sitzen) im Zentrum der Übung. Diese Übung ist recht einfach und benötigt keine besonderen Umstände. Regeln wurden vor allem für Mönche festgelegt. Die wichtigste Regel, an der alle anderen gemessen werden ist, ob mein Handeln für mich und andere heilsam und hilfreich ist, oder nicht.

4. Welche Hindernisse erleben Sie im Alltag bei der Ausübung Ihrer Religion?

Das größte Hindernis ist unser eigenes Ego, dies aufzulösen und den wahren Menschen zum Leben zu erwecken ist das große Ziel unserer Übung. Buddhismus in eine Glaubens-Religion zu verwandeln ist ebenfalls eine große Gefahr und ein großes Hindernis.

5. Wie steht Ihre Religion zu anderen Religionen oder Menschen die nicht an einen Gott glauben?

Jeder Mensch unabhängig von seiner Religion, Rasse, Nation etc. strebt danach glücklich zu sein und ist frei darin den Weg zu beschreiten der ihm dieses Ziel näher bringt, sofern er auch allen anderen diese Freiheit lässt.
In der Antwort auf Frage 1, wurde schon klargestellt das es im Buddhismus keinen Gott/Götter gibt.

6. Engagieren Sie sich, innerhalb Ihrer Religion, für Geflüchtete?

Das Engagement für Flüchtlinge(Menschen in Not) ist eine humanitäre Selbstverständlichkeit und hat nichts mit Religion zu tun.

7. Eine Frage um die Herr Kaffner selbst bat: Welche Forderungen an die Politik gibt es hinsichtlich Religionen und Flüchtlingen aus buddhistischer Sicht?

Eine konsequente Säkularisierung. Religion gehört in den Privatbereich und hat nichts in Politik, Verwaltung und Bildungseinrichtungen verloren. Dadurch, dass christliche Kirchen bevorzugt und massiv unterstützt werden, können nach und nach auch andere Religionen diese Vorteile erstreiten, und in der Gesellschaft, wie das Christentum, einen ihnen nicht gebührenden Platz einnehmen. Außerdem müssten Religionen alles rassistische, frauenfeindliche, antisemitische, was gegen die Menschenrechte verstößt aus ihren Schriften streichen, durch Reformen. Erst dann sollte man sie als Religion in einem demokratischen Staat anerkennen.

Mögen unsere Herzen wachsen, damit alle Wesen darin Zuflucht finden.

Religion verstehen – Das Judentum – Ein Interview

judentumIn unserem Interview über das Judentum redeten wir mit Sergey Romanov. Er ist seit längerer Zeit Mitglied der Jüdischen Gemeinde. Er erklärte sich nach unserem Interview dazu bereit, Fragen von Euch zu beantworten. Falls ihr ihn etwas zu seiner Religion fragen möchtet, schreibt es einfach in die Kommetare, wir werden ihn dann nochmals interviewen. Hier nun das Interview:

1. Nehmen wir mal an, jemand hätte noch nie etwas von Ihrer Religion gehört – wie würden sie dieser Person erklären, was das Judentum ausmacht?

Eine archaische, sehr bodenständige Stammesreligion, die dem richtigen Verhalten einen größeren Wert beimisst als dem richtigen Glauben. Eigentlich ein Lebensstil in gleichem Maße wie eine Religion.

2. Was bedeutet Ihnen Ihre Religion?

Es ist ein Teil der einzigartigen Kultur, die ich als meine eigene empfinde, verstärkt also mein Zugehörigkeitsgefühl.

3. Wie leben Sie Ihre Religion im Alltag und wie halten Sie die Regeln ihrer Religion hier in Deutschland ein?

Im Alltag – so gut wie gar nicht, halte mich auch an keine Vorschriften, ich bin ein überzeugter Atheist. Jeden Samstagmorgen gehe ich allerdings in die Synagoge – ich bin der einzige in der Cottbuser Gemeinde, der hebräischer Sprache mächtig ist und eine Ahnung vom Ablauf des Gottesdienstes hat, übernehme deswegen normalerweise die Rolle des Vorbeters. Ich fühle gewisse Verpflichtung gegenüber der Gemeinde, denn ohne mich wird der Morgengottesdienst gar nicht stattfinden.

4. Welche Hindernisse erleben Sie im Alltag bei der Ausübung Ihrer Religion?

Keine, da ich sie nicht ausübe.

5. Wie steht Ihre Religion zu anderen Religionen oder Menschen die nicht an einen Gott glauben?

Unterschiedlich. Es gibt mehrere Richtungen innerhalb Judentums. So was wie jüdische Mission gibt es glücklicherweise seit langem nicht mehr. Auch das richtige Benehmen steht meist vor dem richtigen Glauben.

6. Engagieren Sie sich in Ihrer Gemeinde für Geflüchtete?

Nein.

7. Sehen Sie Deutschland als Ihre Heimat?

Meinetwegen. So ganz zu Hause fühle ich mich wohl nicht, aber es liegt definitiv nicht an Deutschland oder Deutschen, sondern ausschließlich an mir selbst. In Russland, meiner alten Heimat, bin ich allerdings auch seit langem nicht gewesen, vielleicht wird es mir heutzutage auch dort manches fremd erscheinen.

8. Wie erlebt Sie den großen Zulauf rechter und nationaler Bewegungen und Parteien wie AfD und Pegida?

Bis jetzt hatte es keine Auswirkungen auf mein Leben.

9. In Cottbus steht seit kurzem Brandenburgs erste Synagoge. Wie war das Echo aus der Stadt, gab es positive/negative Zwischenfälle?

Gemischt. Es gab und gibt ganz viele positive Zwischenfälle, es kommen immer wieder Leute und drücken ihre Bewunderung und Freude aus, manche schenken sogar irgendwelche alte Gegenstände, die sie besaßen (ein altes jüdisches Kochbuch, ein Leuchter etc.). Andererseits gab es auch unangenehme Zwischenfälle (eine Fensterscheibe eingeschlagen, eine Türpfostenkapsel (Mesusa) geklaut).

Religion verstehen – Der Islam – Ein Interview

islamWir redeten zum Thema Islam mit Najib Aleksh, er ist 35 Jahre alt und lebt seit einem Jahr mit seiner Familie in Deutschland. Er kommt aus Syrien und hat dort einen sehr erfolgreichen Abschluss zum IT Assistenten absolviert. Der Abschluss zum Bauingenieur war leider nicht möglich, da im letzten Studienjahr der Krieg das Studium beendete.

1. Beschreiben Sie unseren Lesern bitte in 5 Punkten die Grundfeste Ihrer Religion?

Der Glaube an Gott und seine Engel die himmlischen Bücher und Propheten und den Tag des Gerichts. Allah ist ein Gott , mein Gott …er berechnet das Schicksal und ist barmherzig. Mein Glaube ist ein friedlicher Glaube.

2. Was bedeutet Ihnen Ihre Religion?

Er gibt mir Trost und nimmt mir die Angst vor allem. Er begründet alles Gute und schlechte was mir passiert. Er macht mich stark.

3. Wie leben Sie Ihre Religion im Alltag und wie halten Sie die Regeln ihrer Religion hier in Deutschland ein?

Ich bete und lese im Koran, die Regeln aus dem Koran halte ich ein, wir machen Ramadan.

4. Welche Hindernisse erleben Sie im Alltag bei der Ausübung Ihrer
Religion?

Es gibt keine Hindernisse im Alltag, auch unsere Feiertage können wir feiern die Kinder bekommen von der Schule frei.

5. Wie steht Ihre Religion zu anderen Religionen oder Menschen die nicht an einen Gott glauben?

Ich persönlich habe kein Problem mit anderen Religionen. Die Christen sind unsere Brüder und Schwestern. Jeder Mensch ist frei und kann seine Religion wählen oder ohne. Der Koran und die Bibel stimmen in vielen Sachen überein…auch in Syrien leben Christen und Moslems zusammen. Ich hatte viele Freunde die Christen sind.

6. Sehen Sie Deutschland als Ihre Heimat?

Wir haben alles verloren in Syrien. Unser Haus, unsere Freunde, Verwandte sind umgekommen und auch viele Kinder …durch Assads Regime. Auch in Gefängnissen …dort wird gefoltert. Unsere Träume haben wir verloren …einfach alles. Deutschland hat uns gerettet, Freiheit, Demokratie und Frieden wurden uns geschenkt. Meine Familie und ich leben in Sicherheit, Deutschland ist meine Heimat geworden.

7. In Deutschland gibt es viele Ängste gegenüber Ihrer Religion.

Terroranschläge oder Übergriffe, werden schnell auf Ihre ganze
Religionsgemeinschaft bezogen. Inwieweit können Sie diese Ängste, aus Sicht Ihrer Religion nehmen?

Diese Anschläge haben nichts mit unserer Religion zu tun. Der ISIS …das sind keine Moslems….das sind Menschen ohne Religion. Vor unserer Religion braucht man keine Angst haben, sie ist friedlich und warmherzig. Wir haben vor Terror genauso Angst. Wir haben den Frieden gesucht und in Deutschland gefunden. Wir sind keine Terroristen. Viele Denken Moslem = Terrorist Kopftuch = Terrorist, das ist falsch.

8. Wie erleben SIe den großen Zulauf rechter und nationaler Bewegungen und Parteien wie AfD und Pegida?

Wir bemerken nichts….in Cottbus sind alle sehr nett. Vielleicht am
Anfang ja …da gab es wegen einem Kopftuch mal bla bla aber es sind alle sehr nett zu uns.

9. Wie wichtig wäre für Sie ein eigenes Gotteshaus in Cottbus? Gibt es Überlegungen dazu?

Für uns ist es nicht das wichtigste und an der UNI gibt es ja eine
kleine aber wir gehen dort nicht hin.

10. „Der Islam gehört zu Deutschland“. Sehen Sie das genauso?

…und die Christen gehören zu Syrien….es ist
vielleicht ungewohnt, aber irgendwann einfach normal das der Islam in Deutschland ist.

Religionen verstehen – Das Christentum – Ein Interview

christentumDie Fragen zum Christentum beantwortete uns Dana Becker. Sie ist 36 Jahre und wohnt in Gallinchen. Dana ist bereit auch Fragen von Euch zu beantworten. Also Fragt einfach in den Kommentaren und wir sammeln. Hier aber erst einmal ihr Interview:

1. Beschreiben Sie unseren Lesern bitte in 5 Punkten die Grundfeste Ihrer Religion?

Ja , ich bin Christ. Ich bekenne mich zu Jesus und seinen Lehren, diese
stehen in der Bibel. Ich glaube an Gott den Sohn, den Vater und den
heiligen Geist. Alles was passiert liegt in Gottes Hand und nur er weiß
was für mich das beste ist. Nur er kennt meinen Weg. Meine Religion ist
auf Vertrauen und Liebe gebaut…ich vertraue auf Gott.

2. Was bedeutet Ihnen Ihre Religion?

Meine Religion beschreibt für mich den Sinn des Lebens. Sie gibt mir
Kraft und Stärke. Ich fühle mich geliebt und niemals alleine. So richtig
Angst habe ich vor nichts und ich bin erfüllt, jeden Tag. Die Dankbarkeit
an allen schenkt mir Wärme und Energie.

3. Wie leben Sie Ihre Religion im Alltag und wie halten Sie die Regeln
ihrer Religion hier in Deutschland ein?

Ja ich lebe meine Religion im Alltag an jedem Tag … in dem was ich
mache, sage und denke. Regeln ist kein schönes Wort… aber Gebote, die probieren wir einzuhalten und zu leben das macht mich glücklich.

4. Welche Hindernisse erleben Sie im Alltag bei der Ausübung Ihrer
Religion?

Hindernisse gibt es nicht, vielleicht ist es eine Art Unwissenheit…
Zum Beispiel segnen wir auch unser Essen, bevor wir es zu uns nehmen und danken dafür. In der Familie gemeinsam, manchmal auch laut singend oder dann doch eher im Stillen, in Gedanken wenn man mit den Kollegen aus dem Büro gemeinsam isst. Wir sollten es wie unsere Kinder machen, die singen auch schon mal im Restaurant lautstark “ Alle gute Gaben“ ein Tischgebet… Hindernisse kennen sie nicht .. weil Gott gehört zu ihrem Leben …einfach ganz normal dazu.

5. Wie steht Ihre Religion zu anderen Religionen oder Menschen die nicht an einen Gott glauben?

Vor Jesus sind wir alle gleich …. ich liebe zum Beispiel meine
moslemischen Brüder und Schwestern, und lese Bibel und Koran ….beides schenkt Kraft und Liebe. Natürlich habe ich auch Freunde die nicht an einen Gott glauben. Ich habe damit gar kein Problem…ich werte die Menschen nicht durch ihre Religion…manchmal tun sie mir nur leid, weil ich es mir gar nicht vorstellen kann so zu leben. Gott ist mein Schutzschild … ohne würde ich mich nackt fühlen.
6. Die neuen rechten Bewegungen, wie Pegida oder auch die Partei AfD, sehen sich als Verteidiger christlicher Werte und und abendländischer Kultur. Wie sehen Sie das?

Ohne Worte, es erschreckt mich . Die Wähler sind doch sehr oft
konfessionslos. Menschliche Kälte hat nichts mit christlichen Werten zu tun. Der Islam wird ausgegrenzt, damit kann man sich auf keinen Fall auf das Christentum berufen.