Kommentar

[H]AN[D]GEHALTEN! „Der Terror ist angekommen!“

Handgehaten

Nun ist es soweit! Der Terror ist in Deutschland angekommen.
Zumindest liest man dies überall und selbst vor meiner Familie macht diese Terrorangst nicht mehr halt. Meine Frau meinte gestern zu mir, dass sie ein mulmiges Gefühl hat, wenn sie an einer Gruppe arabisch aussehender Männer vorbei muss. Obwohl sie genau weiß, dass ihre Angst höchstwahrscheinlich unbegründet ist und sie sich auch selbst für flüchtende Menschen einsetzt, so ist sie nicht mehr vorurteilsfrei. Ähnlich ist es in meiner Nachbarschaft, viele finden es toll, dass ich mich so engagiere, aber auch sie haben genau dieses mulmige Gefühl und dieses Misstrauen.

Auch wenn ich es besser weiß, kann ich meine Frau und meine Nachbarn gut verstehen. Oft geht es auch uns Admins so, dass Gefühle über den Verstand siegen und man dann besser nicht grad einen Beitrag kommentiert oder einen Post absetzt. Wenn man die Bilder aus Nizza und Würzburg sieht, bekommt man eine Wut im Bauch. Was treibt diese Islamisten dazu, uns so etwas anzutun? Gerade der Fall in Würzburg hat meine Familie sehr bewegt. Ein Jugendlicher, der integriert schien, verbreitet Terror. Da versteh ich natürlich sehr gut, dass man das Engagement in der Flüchtlingshilfe hinterfragt.

Doch sollten wir diese Hilfe hinterfragen? Sollten wir unsere Menschlichkeit, unsere Weltoffenheit und unsere Toleranz von Terror vergiften lassen? Taten wie in Nizza und Würzburg wird es bestimmt wieder geben, aber wollen wir deswegen dem Hilfesuchenden Hilfe verwehren? Für mich ein klares Nein! So sind die meisten Asylbewerber gern hier und sind sehr dankbar für die Hilfe. Klar gibt es kulturell und gesellschaftlich viele Unterschiede, die auch nicht in ein paar Wochen zu lösen sind. So ist es wichtig, weiter aufeinander zuzugehen und Probleme anzusprechen, denn nichts ist schlimmer als aus falschem Verständnis zu schweigen. Auch das ist Integration und verhindert das Aufstauen von Frust und Missverständnissen

Wie sollten also, trotz der vielen schlechten Nachrichten, den Mut haben, weiter unsere Menschlichkeit zu zeigen, zu helfen und zu unterstützen, ohne nach Herkunft, Glaube oder politischer Ansicht zu fragen.

Vielen Dank für’s lesen.

Kitas fühlen sich in Flüchtlingskrise alleingelassen

Kinder lernen schnell, so ist es nicht verwunderlich, dass man die Kinder der vielen geflüchteten Familien schnellstmöglich in Kitas unterbringt. So lernen sie schnell unsere Sprache und Kultur kennen. Aber dies überfordert viele Einrichtungen. Sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.
 
So fehlt es an Personal und oft sind Kinder traumatisiert. Das stellt viele Erzieher vor Herausforderungen, für die sie nicht ausgebildet wurden. Dass die Sprachbarriere bei den Kindern meist schnell überwunden wird, ist dabei nur ein kleiner Trost. Die Eltern lernen die Sprache oft nicht so schnell und so bleibt auch das Verständigungsproblem vorhanden.
 

Auch in Cottbus gibt es diese Probleme und so verstehen wir die Forderungen der Einrichtungen nach einem Konzept für die Betreuung von Flüchtlingskindern. Integration darf nicht nur eine politische Wortblase bleiben, sie muss mit Inhalten gefüllt werden.

 

Kitas fühlen sich in Flüchtlingskrise alleingelassen – DIE WELT Sprachbarrieren, Personalmangel, andere Kulturen: Erzieher und Kita-Leiter sind auf die Herausforderungen der Flüchtlingskrise nicht vorbereitet. Der Bundesregierung werfen sie Tatenlosigkeit vor.

Pegida und die Kinderschokolade

Eigentlich zu schlecht um wahr zu sein, aber Pegida und ihre Anhängerschaft zeigen erneut, dass das Offensichtliche sich eben meist doch anders darstellt, wenn man den Kopf einschaltet.
 
Jeder Allahruf führt zu Terrorfahndungen, jede Islamaufklärung im Ethik- oder Religionsunterricht führt zur „Islamisierung“ des Unterrichts und nun auch noch Migrantenkinder auf der Schokolade? Das es die Kinderfotos unserer Nationalspieler sind, ist hier einfach übersehen worden. Obwohl es zeigt, wie multikulturell selbst unsere Nationalmannschaft ist, zeigt es wie schnell man sich über Dinge in Deutschland aufregen kann und wie alltäglich die Fremdenfeindlichkeit geworden ist.
 

Am Ende jedoch mussten wir allerdings doch ein wenig darüber schmunzeln.

Pegida-Anhänger hetzen gegen Nationalspieler auf Kinderschokolade – SPIEGEL ONLINE Ferrero verkauft zur Fußball-EM eine Sonderedition seiner Schokoriegel: Auf der Verpackung sind Kinderfotos deutscher Nationalspieler zu sehen, etwa von Ilkay Gündogan. Das reicht Pegida-Fans, um sich aufzuregen.

Thilo Sarrazin im Weltspiegel

Handgehaten

 

Ich dachte ich wüsste genau, was mich dort erwartet. Ich habe zumindest sein erstes Buch gelesen, schwere Lektüre. Inhaltlich – nun ja, mittlerweile wurde darüber ja ausgiebig diskutiert. An diesem Abend ging es um sein neues Buch „Wunschdenken“, eine Utopie darüber, wie sich die deutsche und teilweise europäische Politik verbessern ließe, sagt er selbst. 500 Menschen haben den Weg in den Weltspiegel gefunden, das historische Gebäude ist nahezu ausverkauft. Ich bin einer von ihnen. Vor dem Weltspiegel hat sich die Polizei positioniert, daneben rund 80 Menschen die gegen den Auftritt des umstrittenen Autors demonstrieren. Im Gebäude selbst stehen einige Securities verteilt, rein kommt man nur nach einer Taschenkontrolle. An einem kleinen Stand werden Sarrazins Bücher verkauft – und die des Autors Udo Ulfkotte, einem im Kopp-Verlag beheimateten Demagogen unterster Schublade (meine Einschätzung, nicht notwendigerweise die Meinung der restlichen Adminschaft).

Der Weltspiegel ist fast bis auf den letzten Platz ausverkauft, trotz stolzer 15 Euro pro Karte im Vorverkauf. Und die meisten der Anwesenden stehen hinter Sarrazin und seinen Aussagen, das wird schon nach wenigen Minuten klar. Was aber ab jetzt passierte, machte mich einfach nur fassungslos und traurig. Rund 40 Minuten lang schmettert Sarrazin eine rassistische und menschenverachtende These nach der anderen und erntete dafür sogar noch Applaus aus der Menge. Ein Beispiel: Sarrazin macht sich Gedanken über die Flüchtlingssituation. Abgelehnte „Asylanten“ (seine Worte, nicht meine) müssten unverzüglich abgeschoben werden. Was aber tun, wenn die Herkunftsländer die Menschen nicht zurück nehmen wollen? Ganz einfach, so Sarrazin: Wir stecken die abgelehnten „Asylanten“ in ein Flugzeug, rechts ein Jäger, links ein Jäger. Und dann setzen wir sie in der afrikanischen Wüste aus. Rein, raus, fertig. Nochmal zusammengefasst: Er will Menschen mitten in der afrikanischen Wüste aussetzen. Ich reiße hier nichts aus dem Zusammenhang oder dichte um, genau so hat er es gesagt. Und das Publikum applaudierte. Genauso als er davon sprach, dass die meisten dieser Menschen ihren Namen eh nicht richtig schreiben können und es wohl auch nie besser lernen werden. Außerdem träumt er vom Schutz der deutschen Grenzen, im besten Falle durch eine Mauer. Das wird deutlich wenn er vom Römischen Limes oder der Chinesischen Mauer träumt, die 2000 Jahre lang Feinde fern hielt.

Den Rest der Rede möchte ich hier gar nicht weiter kommentieren, nur so viel: Besser wurde es nicht. Auch nicht im Gespräch mit Klaus Rost, dem langjährigem Chefredakteur der Märkischen Allgemeinen (Fun-Fact am Rande: genau zu der Zeit als Alexander Gauland dort Herausgeber war). Rost, an diesem Abend mehr Stichwortgeber als Moderator, konfrontierte Sarrazin mit Zitaten seiner „Feinde“. Sarrazin selbst hatte darauf im Kern immer nur eine Antwort: Die Kritiker hätten seine Bücher nicht gelesen.

So war dieser Abend für mich gleichzeitig erschütternd und erhellend. Rassistische Ansichten müssen nicht mehr versteckt werden. Man kann sie offen und öffentlich aussprechen und erntet dafür im besten Fall sogar noch tosenden Beifall. Ich wusste worauf ich mich da einlasse, aber sowas habe ich einfach nicht erwartet. Cottbus, an diesem Abend habe ich mich tatsächlich für dich geschämt.

Der verlorene Zug

kolumne_geschichte
Es ist der Morgen des 23. April 1945, etwa 2 Wochen vor der bedingungslosen Kapitulation der dt. Wehrmacht. Wir befinden uns in der Nähe von Tröbitz, genauer bei Bahnkilometer 106,7 aus Richtung Falkenberg im heutigen Kreis Elbe-Elster.
Auf den Schienen der Bahnstrecke steht ein verlassener Zug. Als die Truppen der Roten Armee die Waggontüren öffnen, bietet sich ihnen ein grausamer Anblick. Zwischen zahlreichen Toten befinden sich völlig erschöpfte Menschen, näher am Tod als am Leben. Wie sich später herausstellte, war dieser Zug der letzte von Dreien aus dem KZ Bergen-Belsen, welcher in den letzten Wochen des NS-Regimes mit insgesamt 2400 Juden ( unter ihnen auch zahlreiche Frauen und Kinder verteilt auf 46 Wagen ) auf die Fahrt nach Theresienstadt ins dortige Konzentrationslager geschickt wurde.
Bereits unterwegs musste man öfter halten, um die Leichen neben der Bahnstrecke zu verscharren. Die meisten waren aufgrund von Typhus oder einfach an Hunger verstorben. Viele jedoch auch an den Folgen von Luftangriffen der Strecke. Letztendlich kam der Tross am 22. April 1945 bei Kilometer 101,6 bei Langennaundorf zum Stehen. An der Stelle wurde ein Massengrab ausgehoben und 16 Tote beerdigt. Tags darauf wurde er aus kriegsstrategischen Gründen nochmals bis zur finalen Fundstelle umgesetzt und verschlossen zurückgelassen.

Er ging in die Geschichte ein als “ der verlorene Zug “ oder treffender “ Zug der Verlorenen „.

Im weiteren Verlauf wurde ein notdürftiges Lazarett eingerichtet, die Epidemie eingedämmt und es konnten viele Menschen gerettet werden. Viele Einwohner nahmen sogar Juden bei sich zuhause auf, auch auf die Gefahr hin, sich mit Typhus anzustecken. Leider starben im weiteren Verlauf nochmals 320 Menschen an den Folgen dieser Tortur, darunter auch 26 helfende Einheimische. Nicht zuletzt auch durch das selbstlose Anpacken der Einwohner in den umliegenden Dörfern und deren Hilfsbereitschaft, haben rund 1500 der 2400 Gefangenen überlebt und konnten bereits bis Ende August, mit Hilfe der mittlerweile eingetroffenen Alliierten, das Dorf verlassen.

Was sollten wir daraus lernen oder noch besser, was haben wir daraus gelernt?

Ich selbst war am gestrigen Tag an eben dieser Stelle bei Kilometer 101,6 , der Stelle des Massengrabes und durfte an der Gedenkveranstaltung teilnehmen. Zur Erinnerung und zur Ehre der 16 dort begrabenen Juden,darunter 2 Kinder, wurde dort 1989 ein Stein gesetzt, an dessen Sockel die Namen der dort Ruhenden stehen.
Es waren nicht viele Menschen dort, vielleicht 30, Angehörige der Opfer, Anwohner und Vertreter der jüdischen Gemeinde und des Landkreises, sogar eine Schulklasse. Es war ein stilles Gedenken, mitten im Wald.

Der Rabbiner begann mit seinen Ausführungen und sagte die für mich prägendsten Sätze bisher:

„ …Wir reden bisher immer nur von der Nachkriegsgeschichte…vielleicht sind wir aber mitten in der Vorkriegsgeschichte, nochmehr Nationalismus, nochmehr Ausländerfeindlichkeit. Man hätte daraus lernen müssen, nur leider tat man es nicht. Und jetzt ersticken Leute in Lastwagen oder Containern auf der Flucht und ich mache mir Sorgen, dass wir irgendwann die nächste oder die übernächste Generation hier stehen haben werden und die Fragen hören: Wo genau ist mein Opa hier gestorben … “

ME

Quellen:
http://lokschuppenherzberg.de/-der-verlorene-zug-/index.html

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Verlorener_Zug

Kommentar Anschlag auf Sikhs in Essen

Ein weiteres Beispiel, wie gestört die Diskussionskultur in Deutschland gerade ist. Ein terroristischer Anschlag ist zu thematisieren. Egal, wer ihn verübt. Dazu einige kluge Worte von Sebastian Weiermann zu einem sehr aktuellen Fall, der auch international Furore macht.

Kommentar Anschlag auf Sikhs in Essen: Der Anschlag, der keinen interessierte – taz.de Der Anschlag auf eine Minderheit zeigt, dass deutsche Islamisten nicht nur große Ziele im Visier haben. Bisher war die Tat nur eine Randnotiz.