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Wählen gehen!

kolumne_wahlAn diesem Wochenende haben wir wieder die Qual der Wahl und alle stöhnen „Wen soll ich denn wählen?“, „Die machen doch eh alle das gleiche, denken nur an sich und Ihre Ämter.“, „Ändern wird sich doch eh nix!“… Aber genau das haben wir doch in der Hand!

Wenn man sich nur ein wenig mit den zu wählenden Politikern beschäftigt, wird man schnell rausfinden, ob dieser engagiert ist, sich für seine Menschen im Wahlkreis einsetzt oder einfach nur leere Reden schwingt. Auch sollte man schauen, ob man seine Ansprüche an die zu wählenden Parteien und Kandidaten zu hoch gesetzt hat. So wird es wohl nie eine Partei geben, die alle Wünsche erfüllen kann. Vielleicht hilft es ja, sich Punkte rauszusuchen und zu sagen „Das kann ich mir vorstellen“, „Das ist ein guter Anfang“. Oder man schaut danach, was einem eventuell total widerstrebt und weiß so ganz schnell, wen man zumindest nicht wählen möchte.

Wer also kompromissbereit ist und den demokratischen Prozess der Wahl nicht den Antidemokraten überlassen möchte, der entscheidet sich am Sonntag zur Wahl zu gehen und seine Stimme abzugeben. Denn wer nicht wählen geht, muss die akzeptieren, die von anderen gewählt wurden.

Wer noch immer unschlüssig ist – wir haben euch zwei Entscheidungshilfen dazu gepackt, probierts doch einfach aus:
https://kandidatencheck.abgeordnetenwatch.de/bundestag
https://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2017/

Wahlkampfendspurt der AfD Brandenburg in Cottbus. Wir waren mit dabei:

HandgehatenAlexander Gauland und seine Parteikollegen haben in Cottbus vor allem eines gemacht: Ihre potentiellen Wähler auf dem Oberkirchplatz für dumm verkauft. Wie wir zu dieser Einschätzung kommen, erklären wir euch im Folgenden:
 
Gleich zu Anfang sorgte AfD-Kreisvorstand Steffen Kubitzki für einen entlarvenden Moment. Seine tatsächlich ernstgemeinte Aussage, wonach es in Cottbus doch gar keine Nazis gebe, wurde nur mit mäßigem Applaus aus dem schon zu diesem Zeitpunkt recht großen Publikum quittiert. Dass das allerhöchstens Wunschdenken ist, bestätigen zahllose Ereignisse der letzten Wochen und Monate – und schon allein die Existenz eines NPD-Kreisverbandes. Auch unsere Freunde von „Cottbus schaut hin“ halten beinahe täglich Anderes fest.
 
Auch Alexander Gauland ging gleich in die Vollen. Schon in den ersten Sätzen kam er auf die E-Mail der Spitzenkandidatin Weidel zu sprechen und sagte: „Da werden E-Mails erfunden…“. Eine offensichtliche Lüge. Weidel selbst spricht nicht einmal mehr von einer Fälschung. Dazu ein Zitat aus der FAZ:
 
„In einem aktuellen Schreiben an die „Welt am Sonntag“ gesteht ihr Anwalt grundsätzlich ein, dass Weidel und der E-Mail-Empfänger tatsächlich eine Korrespondenz geführt haben. Und der Fälschungsvorwurf wird über die konkrete Mail in dem vier Seiten langen Brief nicht mehr erhoben. Weidel verlangt darin weder eine Unterlassung noch einen Widerruf der Berichterstattung. Auch eine eigene eidesstattliche Versicherung, dass sie die Mail nicht verfasst habe, hat Weidel nach Angaben der Zeitung bislang nicht abgegeben. Sie will mit dem neuen Anwaltsschreiben demnach lediglich weitere Veröffentlichungen ihrer Korrespondenz unterbinden.“
 
Das spricht für sich.
 
Weiter im Text: Gauland sprach davon, dass die AfD die einzig demokratische Kraft sei. Das ist ohne Frage falsch. Andreas Kalbitz legte noch einen drauf und sagte, die AfD sei die „echte demokratische Opposition […], sonst gibt’s da nichts. Das ist Einheitsbrei, die sind sich da untereinander alle einig.“ Nun, dass Linke und Union sich untereinander einig sind, wäre mir neu. Oder die Vorstellungen von Union und Grünen bezüglich Klimapolitik und Braunkohle. Geschenkt, verbuchen wir das unter Wahlkampfgeschwätz.
 
Wo hat Gauland noch gelogen? An einer Stelle wiederholte Gauland das völlig sinnentfremdete Zitat von Martin Schulz („wertvoller als Gold“) und setzte es BEWUSST in einen falschen Kontext. Vermutlich in der Hoffnung, seine Wähler wüssten nicht, was Martin Schulz tatsächlich gesagt hat. Gauland ist nicht dumm. Ganz im Gegenteil, er hält seine Wähler offensichtlich für dumm.
 
Die vielleicht dickste Lüge des Abends lieferte Gauland gleich hinterher. Der AfD Spitzenkandidat legte dem Kanzleramtschef Peter Altmaier folgendes Zitat in den Mund: „Lieber wählt nicht, aber wählt nicht AfD.“ Dumm nur, das Altmaier das nie so gesagt hat. Der Tagesspiegel hat dazu einen guten Artikel verfasst. Bitte vor der Empörung ganz durchlesen: http://www.tagesspiegel.de/politik/debatte-ums-nicht-waehlen-peter-altmaier-voellig-richtig-oder-doppelt-daneben/20352602.html
 
Außerdem sagte Gauland, dass uns unser Land weggenommen wird, Parteien das Volk auflösen wollen und die „bezahlten Psychologen im Fernsehen“ uns sagen würden, wir müssten uns an den Terror gewöhnen. Beides ist selbstverständlich Unsinn und nebenbei bemerkt ganz klar auf einer Linie mit rechtsextremen Agitationen der NPD oder auch der Identitären Bewegung.
 
Auch der Tempelberg und das angebliche Kuschen christlicher Vertreter vor Muslimen wurde von Gauland thematisiert. Ja, Erstere haben ihre Kreuze abgenommen. Sie haben aber auch beim Besuch einer Moschee ihre Schuhe ausgezogen und an der Klagemauer ihre Köpfe bedeckt. Die Welt hat dazu einen interessanten Artikel veröffentlicht: https://www.welt.de/kultur/article159343863/Die-absurde-Wut-der-deutschen-Garderobenwaechter.html Auch hier erzählt Gauland wieder nur die halbe Wahrheit.
 
Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, soll aber einen Überblick darüber geben, was Gauland scheinbar von seinen Wählern hält.
 
Und was die Partei von ihren eigenen Kandidaten hält: Die Rede der Cottbuser Direktkandidatin Marianne Spring-Räumschüssel war sogar dem AfD-Wahlkampfbus zu viel, der vorzeitig das Gelände verließ. So wie auch ein großer Teil der Zuhörer.

Cottbus bekennt Farbe – Eine Nachlese

Wie heißt es im Silvesterklassiker „Dinner for one“ so schön: Same procedure as every year. Der 15. Februar ist für Cottbus ein Tag, der seit vielen Jahren mehrere Funktionen erfüllt: Einerseits gedenken wir den Opfern der Bombardierung der Stadt während des Zweiten Weltkrieges. Andererseits nutzen wir den Tag, um unser Versprechen zu erneuern, dass so etwas nie wieder passieren wird. Aber in diesem Jahr war etwas anders. Zum ersten Mal seit vielen Jahren hat die NPD den Tag nicht für die Darbietung ihres verschrobenen Verständnisses der deutschen Geschichte instrumentalisiert. Ein Sieg der demokratischen Bündnisse, quer durch alle Schichten der Gesellschaft.
 
Man kann sich darüber streiten, aber aus meiner Sicht war das in den Demozügen spürbar. Die teilnehmenden Leute waren gelassen, es wurde getanzt und gefeiert, gleichzeitig aber auch gemahnt. Wieder einmal muss ich sagen: Ich bin stolz auf unser gemeinsames Cottbus. Natürlich gab es Leute die nicht verstanden haben, worum es eigentlich ging. Dass die Demonstration eben nicht in erster Linie dem Gedenken galt, sondern dass wir Cottbus zu einem Gebiet erklärt haben, in dem alle Platz haben und nebeneinander statt gegeneinander leben können. Dass es den ganzen Tag über im kompletten Stadtgebiet Veranstaltungen gab, deren Zweck eben jenes Erinnern war. Dazu erreichte uns beispielsweise ein kurzer Bericht der Veranstaltung in Schmellwitz:
 
„Der Muckeplatz in Schmellwitz ist heute Schauplatz des Gedenkens, gleichzeitig aber auch verschiedenster Aktionen gegen rassistische Umtriebe geworden. Rund 30 Leute waren mit dabei. Besonders beeindruckt haben mich die Schüler des Humboldt-Gymnasium, die mit Hilfe eines „PoetrySlams“ viele zum Nachdenken angeregt haben. Außerdem stellten sich Schüler vor, die sich im Projekt Schule ohne Rassismus engagieren, indem sie viele Aktionen zu Themen wie Toleranz, Akzeptanz und Flüchtlingshilfe veranstalten. Danach gab es zu diesem Thema noch eine Ausstellung im Kulturladen, bevor es dann in die Innenstadt zu den Demonstrationen ging.“
 
Ja, auch uns erreichten Berichte, Schüler wären zum Demonstrieren gezwungen worden. Abgesehen davon, dass die Demo nach Schulschluss stattfand: Auch auf Nachfrage konnte uns keiner eine dieser Schulen nennen, in denen Schüler gezwungen worden wären. Das spricht erst einmal für sich.
Was hängen bleiben muss von diesem 15. Februar ist folgendes: Wir sind nicht allein. Wir propagieren Zusammenhalt statt Hass. Wir können etwas bewirken, wenn wir denn nur wollen. Gemeinsam. Danke dafür <3

Ein Etappensieg für die Humanität

Plakat-deutschEs ist ruhiger geworden in Cottbus. Die erschreckenden Demonstrationen in Sachsendorf liegen mittlerweile ein Jahr zurück, Cogida hat sich der überwältigenden Gegenwehr der Cottbuser geschlagen gegeben, selbst die NPD zieht bei ihren Demonstrationen mittlerweile nur noch eine Hand voll Sympathisanten an.

Deswegen ist es auch auf unserer Seite in den letzten Monaten stiller geworden. Unser Credo: Wir müssen euch nicht täglich mit neuen Informationen füttern. Da gibt es andere, die das umfangreicher und weitreichenstärker können als wir. Was wir aber definitiv müssen: Wir melden uns zu Wort, sobald es die Situation erfordert.

So wie jetzt. Zwar haben wir keine eigene Aktion wie im letzten Jahr zum Gedenktag der Bombardierung auf Cottbus aber wir beteiligen uns an den vielfältigen Aktionen im Stadtgebiet und wollen Euch dazu aufrufen, auch mitzumachen! Denn auch wenn wir einen Etappensieg für die Humanität erreicht haben – der Kampf gegen Rassismus, Ausgrenzung und Unmenschlichkeit ist noch im vollen Gange. Es liegt weiterhin an uns allen zu verhindern, dass der Hass noch weiter in die Köpfe der Menschen sickert und sich dort festsetzt. Dafür braucht es Aktionen wie
„Solidarität statt Angst! Cottbus für Alle!“

Auch wenn die NPD diesmal wohl nicht marschieren wird, ist es uns wichtig in dieser unruhigen Zeit zu mahnen zu gedenken und Gesicht gegen Rassismus und eine Menschenverachtende Ideologie zu zeigen.

Hier ist der offizielle Aufruf zu „Cottbus bekennt Farbe“ am 15. Februar 2017:

http://www.cottbuser-aufbruch.de/de/aktuelles/2017-02-07-103600-pressemitteilung.html

Alle Demorouten:
http://www.cottbuser-aufbruch.de/de/aktuelles/2017-01-27-085000-cottbus-bekennt-farbe-demorouten.html

Und Infos zur Gedenkveranstaltung in Schmellwitz:
http://www.bv-schmellwitz.de/2017/02/01/fuer-toleranz-gegen-rassismus-schmellwitz-bekennt-farbe/

Gedenken an die Reichspogromnacht – Der Bundespräsident in Cottbus

Die aktuellen Ereignisse lassen uns derzeit vieles vergessen. Deshalb wollen wir gerade heute an die Vergangenheit erinnern.
Am Abend des 09. November 1938 war für viele jüdische Bürger nichts mehr so wie am Tag zuvor. In der Nacht zum 10. November wurden deutschlandweit zahlreiche jüdische Geschäfte zerstört oder geplündert, Familien aus ihren Häusern gezogen, gedemütigt, geschlagen oder sogar getötet. Es war die Pogromnacht, die der Beginn einer unvorstellbaren Leidensgeschichte war.

Auch in Cottbus wurden Geschäfte geplündert und die Synagoge in der heutigen Karl-Liebknecht-Straße zerstört, nur eine Gedenktafel am Eingang der Stadtwerke erinnert noch an das Gotteshaus. Es ist kaum vorstellbar, dass wir heute wieder eine Synagoge in Cottbus haben. So erfüllt es uns schon ein bisschen mit Stolz wenn der Bundespräsident in unsere Stadt kommt, um an der Gedenkfeier zur Reichspogromnacht teilzunehmen und sich dabei auch die neue Synagoge anschaut. Cottbus beweist mit dieser Synagoge, dass Glaubensfreiheit in unserer Stadt mehr als nur ein Wort ist. Möge keine Wahl der Welt etwas daran ändern.

Fotos: Michael Heger

Die „Patrioten Cottbus“ und das Problem mit der Relevanz

HandgehatenDie Geschichte der selbsternannten Patrioten Cottbus war von Anfang an begleitet von Pleiten, Pech und der offensichtlichen Unfähigkeit der Protagonisten. Die wiederum, auch das ist Teil dieser Geschichte aus dem Hause Absurdistan, zu einem Großteil noch nicht einmal Cottbuser sind.

Eigentlich ist die ganze Geschichte kaum der Rede wert, wir haben für euch die Ereignisse rund um diesen Tag der Vollständigkeit halber trotzdem zusammengefasst. Anfang Oktober erstellt Lutz M. bei Facebook eine Veranstaltung und lädt zu einer Kundgebung „Gegen Asylmissbrauch“ auf den Erich-Kästner-Platz in Cottbus. Blöd nur: Er vergaß scheinbar die Kundgebung auch tatsächlich anzumelden. Die Leute vom Piccolo-Theater wiederum nutzten diesen Fehler und meldeten kurzerhand eine eigene Veranstaltung an.

Wer ein echter Patriot sein will, lässt sich davon natürlich nicht beirren. Und so wurde die Kundgebung auf den wesentlich unattraktiveren Parkplatz gegenüber verlegt, angeblich angemeldet für 1.000 Menschen. Das anvisierte Ziel wurde letzten Endes auch nur knapp verfehlt. Um 965 Menschen, um ganz genau zu sein. Daran konnte auch die bundesweit bekannte Frontfrau verschiedener fremdenfeindlicher Bewegungen, Ester Seitz, nichts ändern.

Außerdem mit dabei: eine Dresdenerin, die unter anderem mit fremdenfeindlichen Demonstrationen in Heidenau aufgefallen ist, sowie ein besonders fragwürdiger Vertreter der Mahnwachen-Bewegung aus Weißwasser, der unter anderem auch bei der Cottbuser Mahnwache über mehrere Wochen hinweg mitgewirkt hat. Auch ein Vertreter der so genannten Reichsbürger hat sich zu Wort gemeldet. Diese im Vorfeld schon angekündigten Redner sind bei den gut 35 Teilnehmern im Übrigen schon eingerechnet. Es ist eine erfreuliche Entwicklung, dass solche Demonstrationen in Cottbus keinen Zuspruch finden, erinnern wir uns an die letzten 15. Februar-Demos oder die von der NPD inszenierten Läufe durch Sachsendorf Ende 2015. Zeitgleich ist aber auch in unserer Stadt die Zahl von vermutlichen oder tatsächlichen rechtsextremen Übergriffen wieder stark gestiegen. Es sind zwei Seiten einer Entwicklung, die wir auf jeden Fall weiter kritisch begleiten werden.

Was bleiben wird von diesem Tag, ist eine Feststellung von jener schon oben genannten Ester Seitz: Diese Veranstaltung hätte symbolischen Charakter. Mit Blick auf die Teilnehmerzahler ist dem nichts mehr hinzuzufügen.

Interkulturelle Woche – Wir sind dabei

ikw_logo-auge-2016-4c_640x452pixel„Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt.“ – 2. Interkulturelle Woche in Cottbus – Und wir sind mit dabei!

Nach der Premiere im vergangenen Jahr wird vom 25.09. bis zum 08.10.2016 die zweite Interkulturelle Woche in Cottbus stattfinden. Im Mittelpunkt steht dabei das Miteinander, denn so lernt man sich am besten kennen.

„Ein Fremder ist ein Freund, den man nur noch nicht kennt.“ (irisches Sprichwort).
2015 wurden in kürzester Zeit über 40 Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet organisiert. Vom Fest der Kulturen, einen Film und einer Ausstellung im Obenkino, gemeinsames Kochen im RonaldMC Donald Elternhaus, ein russisches „Guten Morgen Cottbus“, Straßenfeste in Sandow und Schmellwitz, aber auch Fotoausstellungen, Diskussionen und die Vermittlung von Flüchtlingen in Arbeit waren wichtige Themen.

Dieses Jahr wollen auch wir uns beteiligen und haben uns mit dem Thema Religion auseinandergesetzt. Wir werden euch 4 verschiedene Religionen vorstellen und zu jeder Religion, werden 4 Cottbuser in Interviews erzählen wie sie leben.

Ein großes Dankeschön an alle Interviewpartner. Schön, dass auch alle bereit sind für Fragen von Euch zur Verfügung zu stehen. Also stellt Eure Fragen einfach in den Kommentaren unter den Interviews.