Fragen zur Unterbringung in Cottbus – Stand 19.08.2015

Vor einigen Wochen haben wir euch um eure persönlichen Fragen zum Thema Asyl gebeten, erinnert ihr euch noch? Wie versprochen haben wir alles schön säuberlich zusammengefasst, an die Stadt geschickt. Jetzt sind die Antworten endlich da. Bitte tut uns einen Gefallen und teilt unsere Fragen. Damit können wir alle einen kleinen Beitrag gegen gefährliches Halbwissen und hetzerische Propaganda leisten.

Wir danken bei der Beantwortung der Fragen der Stadt Cottbus, insbesondere Frau Dieckmann – Leiterin FB-Soziales und Herrn Schurmann – Integrationsbeauftragter der Stadt Cottbus

Hier findet ihr Fragen und Antworten zu Unterbringung und Integration in Cottbus (Stand 19.08.2015):

1. Wie viele Asylsuchende werden in Cottbus in diesem Jahr erwartet?

Nach der neusten Prognose vom 19.08.2015 des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) werden deutschlandweit bis zu 800.000 Flüchtlinge für 2015 erwartet. Dies bedeutet für Brandenburg eine Zuweisung in Höhe von 24.000 Flüchtlingen und somit erwartet Cottbus ca.900 aufzunehmende Personen. (Anmekung: Aktuelle Zahlen zur Unterbringung von Asylbewerbern in der Stadt Cottbus findet Ihr hier.)

2. Aus welchen Krisengebieten kommen die meisten Flüchtlinge?

Insgesamt werden in Cottbus Flüchtlinge aus 23 Herkunftsländern untergebracht. Die meisten Flüchtlinge kommen derzeit aus Syrien, Serbien, der russischen Föderation (Tschetschenien) und Albanien.

3. Wie läuft die Unterbringung der Flüchtlinge in Cottbus ab?

Die Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen in der Stadt Cottbus erfolgt zentral in Gemeinschaftsunterkünften sowie auch dezentral in Übergangswohnungen oder später auch eigenem Wohnraum. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass die Unterbringung direkt nach erfolgter Zuweisung zunächst stets in einem zentralen Setting (Gemeinschafsunterkunft) erfolgt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine sofortige dezentrale Unterbringung von ausländischen Flüchtlingen nur im Ausnahmefall sinnvoll ist. Gemeinschaftsunterkünfte stellen nach erfolgter Zuweisung einen wichtigen ersten Orientierungspunkt für Neuankommende dar. Gerade zu Beginn in einer völlig neuen Umgebung in Verbindung mit zum Teil traumatischen Erlebnissen aus der Vergangenheit, ist das Bedürfnis nach Schutz und direkter sozialer Anbindung äußerst hoch.
Die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in eigenem oder von der Stadt angemietetem Wohnraum erfolgt erst, sofern diese an die örtlichen Strukturen gewöhnt und integrationsbereit sind.
Aufgrund der rasant gestiegenen Zuweisungszahlen ist es aber nicht komplett auszuschließen, dass in Einzelfällen Familien direkt in eine Übergangswohnung dezentral im Stadtgebiet untergebracht werden. In jedem Fall werden aber auch die dezentral untergebrachten Flüchtlinge regelmäßig vor Ort durch Sozialarbeiter aufgesucht und entsprechend betreut.

4. Wird es eine Separierung von Flüchtlingen verschiedener Herkunft geben?

Aufgrund der Vielzahl von Flüchtlingen ist die Nutzung von Unterkünften nur für ein Herkunftsland nicht umsetzbar. Sehr wohl wird aber innerhalb der Unterkunft bei der Belegung der Zimmer auf das Herkunftsland und die religiösen Besonderheiten Rücksicht genommen. Dies wird seit jeher auch in der Form in der bestehenden Gemeinschaftsunterkunft in der Hegelstraße/ Sachsendorf problemlos umgesetzt.

5. Wie wird es mit der gesundheitlichen Versorgung laufen, einige haben eventuell ansteckende Krankheiten oder sind geschwächt von der langen Flucht?

Grundsätzlich erfolgt eine Erstuntersuchung aller Flüchtlinge bereits während ihres Aufenthaltes in der Erstaufnahmeeinrichtung. Diese befindet sich im Fall von Brandenburg in Eisenhüttenstadt. Erst nach erfolgter Untersuchung werden die Flüchtlinge dann auf die einzelnen Städte/ Kommunen verteilt. Sollten im Zuge dieser Untersuchungen ansteckende Erkrankungen festgestellt werden, verbleiben diese Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung bzw. im zuständigen Klinikum und werden vorerst nicht verteilt. Für Flüchtlinge, welche nach Cottbus verteilt werden, bekommt das hier ansässige Gesundheitsamt die medizinischen Befundunterlagen für jeden Flüchtling aus der Erstaufnahmeeinrichtung zugesandt. Sollten dann aufgrund der Befunde weitere Untersuchungen nötig sein, lädt das Gesundheitsamt die Personen entsprechend ein. Grundsätzlich werden nur Flüchtlinge verteilt, bei denen im Rahmen der Erstuntersuchung der Transfer ohne Bedenken stattfinden kann und die betreffende Person reisefähig ist.

6. Sind nach Sachsendorf, Sandow und Schmellwitz weitere Unterkünfte geplant?

Da die Stadt Cottbus bis Jahresende von den ca. 900 unterzubringenden Personen noch ca. 600 Personen mit Wohnraum versorgen muss, ist das Herrichten von weiteren Unterkünften auch in bisher nicht genutzten Stadtteilen nicht auszuschließen. Sind die umfangreichen Planungen für ein Objekt abgeschlossen, informiert die Stadtverwaltung die Öffentlichkeit dementsprechend über einen neuen Standort.

7. Warum werden bspw. in Schmellwitz Container genutzt statt seit Jahren leerstehende Gebäude aufs nötigste saniert und als Unterkunft angeboten?

Natürlich ist die Stadt in erster Linie bestrebt, eigene leerstehende kommunale Gebäude zu nutzen und entsprechend herzurichten. Dies bedarf allerdings einer umfangreichen Planung unter Beachtung sämtlicher baurechtlicher Bestimmungen und ist zumeist nicht kurzfristig realisierbar. Da die Stadt Cottbus allerdings schon zum jetzigen Zeitpunkt dringend neue Unterbringungskapazitäten benötigt, war die Nutzung der bereits so gut wie bezugsfertigen Container naheliegend.

8. Werden die Flüchtlinge vor Übergriffen geschützt?

In den Gemeinschaftsunterkünften wird der Schutz durch einen Sicherheitsdienst gewährleistet. Des Weiteren gibt es eine enge Kooperation mit der Polizei, sodass auch für die dezentralen Übergangswohnungen eine Bestreifung erfolgt.

9. Wenn Asylbewerber in Wohnungen untergebracht werden, wird es dann eher WGs geben oder sind diese für Familien gedacht?

Die Stadt ist sich ihrer Verantwortung bewusst und hat bei der Belegung von dezentralem Wohnraum immer auch den Frieden der Hausgemeinschaften im Blick. Wohngemeinschaften in dezentraler Lage und ohne feste Betreuung vor Ort sind daher nicht vorgesehen, sodass insbesondere die großen Wohnungen für Familien zur Verfügung gestellt werden.

10. Stimmt es das Spielplätze für Ausländer Kinder abgegrenzt werden?

Nein, das stimmt nicht. Der beispielsweise neu angelegte Spielplatz hinter der Gemeinschaftsunterkunft in der Hegelstraße/ Sachsendorf ist für alle Kinder offen zugänglich. Aus diesem Grund wurden bei seiner Eröffnung auch sämtliche in der Umgebung ansässigen Kindereinrichtungen mit eingeladen. Schließlich kann eine erfolgreiche Integration nur gemeinsam und ohne Ausgrenzung gelingen.

11. Ist es wahr, dass Flüchtlingskinder schneller einen Kitaplatz bekommen als andere Kinder?

Nein, seit Einführung des Kinderförderungsgesetz zum 01.01.2013 hat jedes Kind – egal ob deutsch oder ausländisch – das das erste Lebensjahr vollendet hat, bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres einen gesetzlichen Anspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder in einer Kindertagespflege. Die Vergabe des Kitaplatzes obliegt dann schlussendlich aber der Kita selbst.

12. Besuchen alle ausländischen Kinder die nahegelegenen Schulen und in wie weit kann man da schon auf Deutschkenntnisse setzen?

Grundsätzlich war es bisher so, dass die schulpflichtigen Kinder aufgrund der Nähe zur Gemeinschaftsunterkunft in der Hegelstraße hauptsächlich die Regine-Hildebrandt-Grundschule in Sachsendorf bzw. die Sachsendorfer Oberschule besucht haben. Aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen und weil mittlerweile auch in anderen Stadtteilen Unterkünfte geschaffen wurden, wird eine Verteilung der Schulkinder auf die übrigen und in der Regel nächstgelegenen Schulen in Cottbus erfolgen. Die Verordnung über die Eingliederung von fremdsprachigen Schülerinnen und Schülern in die allgemein bildenden und beruflichen Schulen des Landes Brandenburgs regelt hierbei, die Art und Weise der Beschulung. Ergänzend dazu werden die Kinder mit Hilfe von Lernförderung für Deutsch als Fremdsprache über das Bildungs- und Teilhabepaket gefördert, sodass in der Regel die ersten wichtigen Deutschkenntnisse sehr schnell erlangt werden.

13. Wie werden Asylbewerber in Cottbus gesellschaftlich integriert?

Wichtigstes Werkzeug für eine gelingende Integration ist das Beherrschen der deutschen Sprache. Aus diesem Grund gibt es in Deutschland nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Verpflichtung einen entsprechenden Integrationskurs (660 Stunden) zu besuchen. Dieser besteht im Wesentlichen aus 2 Teilen: Einem Sprachkurs zu den Themen Arbeit und Beruf, Aus- und Weiterbildung, Betreuung und Erziehung von Kindern, Einkaufen/Handel/Konsum, Freizeit und soziale Kontakte, Gesundheit und Hygiene/menschlicher Körper und einem Orientierungskurs mit den Themen deutsche Rechtsordnung, Geschichte und Kultur, Rechte und Pflichten in Deutschland, Formen des Zusammenlebens in der Gesellschaft. Voraussetzung zum Besuch eines solchen Integrationskurses ist allerdings eine erteilte Aufenthaltserlaubnis. Aus diesem Grund wird in Cottbus mit Unterstützung der Volkshochschule die Möglichkeit geschaffen, dass auch Flüchtlinge, welche sich noch im laufenden Asylverfahren befinden, einen Sprachkurs belegen können.
Zudem stehen den Asylbewerbern eine Menge ehrenamtliche Helfer und Angebote zur Verfügung, welche eine Integration in unser Gemeinwesen erleichtern. Zusätzlich betätigen sich die Asylbewerber über gemeinnützige Arbeit selbst in ihrem direkten Umfeld bzw. bei sozialen Trägern und finden somit Anschluss in unserer Gesellschaft.

14. Werden Sachspenden (Bekleidung, Kuscheltiere für Kinder, Spielzeug etc.) ermöglicht und erwünscht sein?

Ja, Sachspenden sind grundsätzlich erwünscht. Auch zu diesem Zweck wurde der Willkommenstreff seitens des Regional Werkstatt Brandenburg e.V. in Zusammenarbeit mit der Stadt Cottbus in der Dostojewski Str. 8/ Gelsenkirchener Allee ins Leben gerufen. Die Kontaktdaten sind info@regionalwerkstatt-brandenburg.de und Tel. 0355/4 94 41 74.