Übersicht – Augenzeugenberichte

Über Monate habt ihr bei uns Bilder und Berichte aus Kriegsgebieten sehen können. Das Krieg aber nicht immer weit weg von Cottbus war, macht uns der anstehende 71. Jahrestag der Bombardierung von Cottbus bewusst. Am 15. Februar 1945 bombardierten 435 amerikanische B-17-Bomber Cottbus und zerstörten große Teile der Stadt. Sie trafen unter anderem das Bahnhofsgelände, die östlichen und südlichen Stadtbezirke, die Branitzer Siedlung und mehrere Industriebetriebe. Es starben dabei mehr als 1.000 Bürger, 13.000 wurden obdachlos.

Jedes Jahr nutzen Anhänger der NPD diesen Tag um ihn für sich zu instrumentalisieren und vergessen dabei von wem der Krieg ausging. Der Förderverein Cottbuser Aufbruch e.V. veranstaltet deshalb jedes Jahr Veranstaltungen rund um diesen Gedenktag um den Nazis nicht das Feld zu überlassen. Diese Aktion soll Raum schaffen für ein menschenwürdiges und facettenreiches Gedenken in Cottbus und so gibt es 2016 eine ganze Aktionswoche. Erstmals wollten wir daran teilnehmen, aber wie? Auf der Suche nach Berichten über die Bombardierung fiel uns auf, dass es kaum Augenzeugenberichte über die Bombardierung von Cottbus im Netz zu finden gibt, eine Idee war geboren. Wir hatten nun den Plan in der Aktionswoche jeden Tag einen Augenzeugenbericht der damaligen Ereignisse zu veröffentlichen und so die Erinnerungen an diesen traurigen Tag möglichst vielen Leuten zugänglich und nachfühlbar zu machen. Dazu haben wir uns, im Vorfeld, mit Herrn Krestin und Herrn Büschel vom Stadtmuseum / Stadtarchiv Cottbus getroffen, um zu klären woher wir Material für unsere Idee bekommen und ob wir es dann auch veröffentlichen dürfen. Die Idee kam sehr gut an und wir bekamen in weniger als einer Woche sieben Augenzeugenbericht und Bilder des zerstörten Cottbus aufgearbeitet zur Verfügung gestellt. Die Berichte wurden vom Stadtarchiv anonymisiert und das Bildmaterial ist von 1947 oder gezeichnet, da der Besitz von Fotoapparaten in der Zeit nicht jedem erlaubt war.

Beim Lesen der Berichte, gingen uns sofort Bilder aus Syrien und dem Irak durch den Kopf. Zerstörte Städte, viele Tote und die Angst der Menschen um Leib und Leben. Das Leid des Krieges ist immer schrecklich, egal ob damals oder heute. Zudem war damals Deutschland, ähnlich wie heute, Bestandteil einer massiven Menschenflucht bedingt durch Krieg. Die Stadt war zum Zeitpunkt der Bombardierung voll mit Flüchtlingen, die vor der, im Osten nahenden, Roten Armee Schutz suchten. Leidtragende waren hier meist Frauen und Kinder. Vielleicht wecken die Berichte ja auch Verständnis für die Lage der Menschen in den Kriegsgebieten der Gegenwart.

Wir werden also morgen mit dem ersten Bericht beginnen und am Tag der Bombardierung den letzten Bericht posten. Damit die Berichte nicht im Newsstream untergehen, werden wir sie auf unserer Internetseite in einem separaten Bereich dauerhaft zum Nachlesen zur Verfügung stellen.

Wir danken dem Stadtarchiv und dem Stadtmuseum Cottbus für die schnelle und unkomplizierte Unterstützung.

 

Hier die Liste aller bisherigen Augenzeugenberichte vom 15.02.1945:

 

 

Euer Adminteam